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Samstag, 23. Januar 2016

Ein Hütchen für den Schleier - A hat for the Veil


Zu Weihnachten habe ich von meinem Mann ein wunderschönes und sehr sinnvolles Geschenk bekommen: er fuhr mit mir nach München und dort durfte ich mir in Tricia Leonhards Vintage Laden etwas Schönes aussuchen. Zur Steigerung des Vergnügens verabredeten wir uns dazu mit zwei lieben Freundinnen.
This year my husband made me a very nice and sensible christmas present. Together, we drove to Munich and there he told me to pick something to my liking at Tricia Lenhoards Vintage shop. To take the fun to another level we met up with two lovely friends.

Ich kann nur jedem, der nach München fährt, empfehlen bei der wunderbaren Tricia hineinzuschauen, es lohnt auf jeden Fall - aber Zeit einplanen, es gibt furchtbar viel Schachteln zu öffnen und Schubladen aufzuziehen....und überhaupt mit Tricia zu schwatzen, die richtig viel Ahnung hat Tricia Leonard Vintage.
I strongly advise all munich travelers to go and visit lovely Tricia. 
trust me, it's worth it! but schedule a lot of time! There's somuch boxes and drawers to open. ... and, of course, chatting with Tricia, she knows so much!
Tricia Leonard Vintage

Unter Anderem habe ich bei Tricia einen entzückenden Hutschleier aus Tüll mit eingearbeiteten Blumenborten gefunden. Schon länger hatte ich nach so einem Acsessoire Ausschau gehalten, mit dem ich einen Kopfputz des frühen 19. Jhs. bestücken wollte.
Diesen Plan konnte ich nun umsetzen. Madame B. hatte wieder zum Salon nach München geladen, dafür wolle ich einen neuen Hut anfertigen.
Bei der Suche nach geeigneten Vorbildern stieß ich auf folgenden Modekupfer aus Costume Parisien An 8 (1799) mit der Beschreibung "Chapeau a Boucles. Spencer sans Manches":
Amongst other things I found a cute tulle hat veil with attached floral ornaments. 
I had been looking for a piece like this for a while now. since I was planing on an early 19th century headdress.
Finally I was able to realise that plan!
 Mme B. had, again, invited to her munich salon, the perfect oportunity for the headdress!
Looking for suitable model I found the following fashion plate from the CostumeParisienn An 8 (1799) with the caption "Chapeau a Boucles. Spencer sans Manches";




Er zeigt ein schlichtes weißes Hütchen mit zwei Bändern, die mit Schnallen festgemacht sind. Davon fällt seitlich ein Schleier herab. Das ärmellose, vorne in Zipfeln auslaufende Spencerchen  gefiel mir ebenfalls und ließ sich schnell umsetzen. 
It shows a simple white hat with 2 ribbons which are fastened with buckles. The veil falls sideways, held by another ribbon. The sleeveless, pointed spencer also was to my liking, and quite wuick to make.

Das Hütchen fertigte ich aus Steifleinen, das ich mit cremefarbenem Seidentaft überzog. Für die Bänder verwendete ich den gleichen grauen Seidenmoiree, den ich für den Spencer ausgesucht hatte, und zwei Schnallen aus Perlmutt. Den Schleier habe ich wie auf dem Kupfer mit einem weißen Seidenband festgebunden.
The hat I made from buckram which I covered with cream coloured silk taffeta. The ribbons I made from the same moiree silk I had decided on for the spenncer and two mother of pearl buckles. 
I fastened the veil with a silk ribbon, just like it's seen on the plate. 


Ich fütterte den Spencer mit cremefarbenen Seide und fasste ihn mit einer Paspel ein. Er ist so gearbeitet, dass er von beiden Seiten getragen werden kann. Ich nahm mir die Freiheit an die Zipfel noch kleine Quasten aus Seidengarn anzufügen. 
I lined the spencer with cream coloured silk and framed it with piping, so it can be worn on both sides. I took the liberty to attach little tassles to the tips.




Zu dem Spencer passt sehr schön mein Chemisenkleid aus zartem wollweißem Batist. Es ist an den Ärmeln mit antiker Borte aus Weißstickerei verziert, die ich mit Reihen von Biesen eingefasst habe. 
Marvelously suiting the spencer is my white chemise dress made of off white batiste. It's sleeves are decorated with antique white work embroidery braid, which I framed with basting.

Komplettiert habe ich das Ensemble mit Ohrhängern und dazu passendem Collier von Martje Pieters
I finished the ensemble with Earrings and a matching necklace made by Martje Pieters

Für die Anreise nach München durch wildes Schneegestöber bot mein Schanzenlaufer ausreichenden Schutz.
My Schanzenläufer protected me during the snowy travel to munich.


Donnerstag, 18. Dezember 2014

Vernet ist Spitze


Mein erster Vernet Blog Post, ich bin ein bisschen aufgeregt.
My first Vernet Blog post, I'm a wee bit excited.

Die Teilnahme am Vernet-Projekt ist für mich eine besondere Herausforderung, da ich, wie schon erwähnt, in dieser Epoche noch ein ziemlicher Neuling bin und bisher nur im 18. Jahrhundert unterwegs war (und gaaaanz früher mal im 16., über die Authentizität meiner damaligen Werke breiten wir besser den Mantel des Schweigens...). Aber ich bin begeisterte Handnäherin und Stickerin, daran sollte es schon mal nicht scheitern.
Participating in the Vernet Project, for me, is a special challenge since I, as I mentioned before, am rather new to this period. Till now I've only been doing 18th century (and, waaay long ago 16th. We'll politely draw the mantle of secrecy over the degree of authenticity of my work back then.....) But I am a handsewing enthusiast and embroider so, there's a solid foundation.

Obwohl sie auf meinem Modekupfer nicht im Vordergrund steht, habe ich mir zunächst die darauf zu erkennende Spitzenborte vorgenommen. Dargestellt ist sie als in Broderie Anglaise, also in Weißstickerei ausgeführte Baumwollspitze, wie sie in dieser Zeit allseits beliebt war und auch auf Vernets Modekupfern in üppiger Weise Verwendung findet. Die Menge an Spitze ist auf meinem Entwurf überschaubar, also nahm ich die Herausforderung an, sie von Hand selbst zu fertigen. Der Rapport ist recht simpel konstruiert aus einem von Böglein umrahmten Spitzbogen mit drei umstickten Löchern und zwei, dem Spitzbogen folgenden Streifen.
Even though it's not the main eye catcher on my fashion plate, I still decided to start off with a clearly visible lace trimming. It's pictured as a Broderie Anglaise, a kind of white worked cotton lace, which was fairly popular around this time, and finds ample uses around Vernets fashion plates.
The amount of lace on my plate is quite overseeable, so I agreed to the challenge of doing it all by myelf, by hand!
The rapport is constructed fairly simple, just a small bow framig a pointed arch, three small embroided holes and two stripes which follow the pointed arch.

Meine Erfahrung in Weißstickerei hält sich in Grenzen, also war zunächst einmal Üben angesagt. Probiert habe ich es zunächst mit einem dünnen Baumwollstoff als Stickgrund und weißem Vierfachgarn zum Sticken. Der erste Rapport war noch recht unbeholfen, aber ich war guten Mutes.


Im zweiten Versuch kopierte ich das vorgezeichnete Muster auf einen etwas festeren Stoff und stickte den Rapport viermal. Mit dem Ergebnis war ich gar nicht zufrieden. Der Stoff schien mir zu steif, das Garn zu klobig, und auch die Form war mir nicht nahe genug am Vorbild. Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt, es sah nicht annähernd aus wie die feinen Lochstickereien des frühen 19. Jhs.
My experience with white works is fairly limited so the first step to take was practicing.
First I tried it on a thin cotton fabric, using wihte 4 strand thread.
The first rapport was more or less inapt but I was of good cheer.
Wit the second try I copied the sketched pattern on a fabric which was a bit heavier in weave and stitched it four times.
I wasn't satisfied at all with the outcome. The fabric seemed too stiff the thread too bold... Also the shape wasn't close enough to what I saw on Vernets plate. I somehow had imagined this differnently. It didn't look anything like the fine eyelet embroidery of the early 19th century

Das Garn müsste feiner sein, also nahm ich Baumwollsticktwist einfädig zum Sticken und verwendete das Vierfachgarn zum Vorstechen der Umrisse. Ich fand einen alten Kissenbezug aus feinem weichen Baumwollstoff, der mir recht geeignet schien. Außerdem konnte ich in Ackermann's Repository, Mai 1816, ein Muster finden, das dem meinem im Umriss recht ähnlich war.


Sonja war so hilfreich und zog es mir am Computer in die passende Form, nun hatte ich eine gleichmäßige Vorlage, die ich auf den Stoff kopieren konnte. So gefiel mir die Sache schon besser.


Nun muss ich nur noch die Geduld aufbringen und eine laaange Spitzenborte daraus fertigen. Pompomwedeln kann da sehr hilfreich sein....
I had to use a thinner thread so I decided on one threaded cotton embroidery floss for the embroidery itself and used the four threaded thread for the understitching. I also found an old pillowcase. The fine soft cotton seemed perfect.
Furthermore I was able to sniff out a pattern in Ackermann's Repositoriy, May 1816, which is rather close to th desin on my plate. Sonja helped me pulling it into the right shape on the computer. Now I had a n even pattern to copy onto the fabric.
Now that looked doable again. Now I only have to find the patience to manufacture a loooong lace trimming.
Some cheering me on might help....