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Donnerstag, 9. Mai 2013

Himmelfahrtskommando Tag 6 Mission accomplished!

Siegesfeier und Parade aller wunderbaren neuen Kleidungsstücke mit Perlwein und Häppchen, oder was auch immer Ihr in solchen Fällen vorzieht. We few, we happy few.

Erleichterung. Pure Erleichterung. 
Und ich weiß jetzt schon das gleich ein schrecklicher Picture Spam folgen wird.
Aber erstmal muss ich reinen Wein einschenken.
Ich hab Vorgearbeitet, aber mal so richtig.
Alle meine bisherigen Blogeinträge sind entstanden zwischen Alex Veröffentlichung des ersten Aufrufes und heute... Heute ist der 7.4. eigentlich der erste Tag des Himmelfahrtskommandos. Ich hab mich gerad schon wild durch die anderen Blogs geklickt und viel Spaß beim Lesen gehabt. ich hoffe das es so weiter gegangen sein wird.
(Man wann hat man mal die Möglichkeit Futur 2 zu benutzen???)
Ich hab ja von vorn herein geschrieben das mein Projekt eher außer Konkurrenz läuft, denn neben arbeiten, Haushalt, Familie (in meinem Falle ungesund viele Tiere) wäre ein solches Handnähprojekt in 5 Wochen völlig unmöglich. Bei genügend freier Zeit und Elan beim handnähen ist es zwar problemlos machbar dann stellt sich aber noch das Problem der Materialbeschaffung.
Erschwerend kommt hinzu das ich in der Zeit in der das Himmelfahrtskommando läuft 2 Auslandsaufenthalte habe... Das hätte das Zeitfenster noch ein wenig mehr eingeengt.

Anyways. Ich hab versucht meine Blogs so zu schreiben das sie ein wenig wiederspiegeln wie es wirklich "abging". Zudem, ich hab das Coatee tatsächlich nur fertiggestellt weil ich mich hier ein wenig in der Pflicht sah. 
Nach dem Eintrag von "letzter Woche" habe ich mich endlich daran gemacht das noch fehlende Innenfutter einzunähen und 2 noch fehlende Verzierungen an den Turnbacks zu machen.
Ohne diese Motivation hätt ich das wahrscheinlich irgendwann nachts vorm nächsten Event gemacht...
Was ich zum Großteil weggelassen habe sind die Diskussionen die Regimentsintern abliefen, was wo wie warum plaziert werden muss, wie viele cm die laces in pairs sind usw. Und die wilden Flüche wenn ich wieder, und wieder, und wieder auftrennen musste.

Vielleicht hab ich zum nächsten Sew along das passende Projekt das ich auch in der vorgegebenen Zeit fertigstellen kann.

So nun aber zum wichtigen Teil. 
Mein Fertiges Coatee *RUMHOPS*
Bevor der Picture Spam losgeht noch mal Eckdaten:
Es handelt sich um eine Uniformjacke des Coldstream Regiment of Foot Guards um ca 1777.
Innenfutter, wie beim historischen Original nur im Corpus aber nicht in den Ärmeln. Nicht nur das es historisch korrekter ist, es hat auch einen ganz einfachen Vorteil. 
Das ist ja keine Mode zum schick aussehen oder für Parade, das Teil wird benutzt und sich einen Ärmel ausreißen ist etwas das mir allein im letzten Jahr schon drei mal passiert ist. Und wenn man nicht immer noch das Innenfutter auftrennen und wieder vernähen muss machts das Leben echt einfacher. 
Aber genug geredet; mein fertiges Coatee:


front
seite



rücken, Die Falten kommen durch die Angedeutete Taille

Front mit Dreispitz, Bayonettgurt und Wasserflasche
Rücken mit Dreispitz, Bayonettgurt und Wasserflasche
Meine beiden Lieblinge. Links
Coldstream Guards um 1777
Rechts Gordon Highlanders um 1815
 Und natürlich will ich euch den Spaß nicht vorenthalten, das ganze mal in angezogen.
Die dicke Tante in vollem Kit.
Diese Uniform besteht aus:
Weißes Uniform Hemd, lang. mit schwarzem Neckstock (Krawatte) naturweiße Wollweste mit Zinnknöpfen, wollweißen Breeches auch mit Zinnknöpfen (meine Breeches sind ein wenig eng an den Knien und schlecht genäht diesmal war ichs aber immerhin nicht selber...), weißen Kniestrümpfen mit Wadenband (Leder oder Leinen) (On Parade) weiße Gamaschen, hoch mit je 25 Zinnknöpfen, (on normal duty) schwarze Gamaschen, kurz (9 Knöpfe) die weißen Gamaschen werden auch durch ein Wadenband gehalten, ich lass dann gern Strümpfe weg
Dazu schwarze Schnallenschuh mit gleichem Leisten (rechter und linker Schuh sind gleich)
NATÜRLICH das Coatee!!!!
Und dann die Crossbelts; weißer Ledergurt mit Patronentasche und weißer Bayonettgurt. dazu Wasserflasche und Brotbeutel. und natürlich der Dreispitz. Als waffetragender Grenadier setze ich den schief auf, damit er beim schultern und hantieren mit der Muskete nicht vom Kopf gefegt wird. (Eigentlich trägt der Grenadier eine Bärenfellmütze, die besteht aber momentan aus ein wenig viel Fell und hat auch noch Kopf und Krallen dran, aber das ist ein anderes Nähprojekt...)
Dazu hätten wir dann noch eine Flintlock Muskete Modell Brown Bess, long Pattern und einen Luntenberger.
Ihr könnt euch also vorstellen, bis man morgens aufgerödelt ist dauert es... und; besonders als Frau entwickelt man eine sehr differenzierte Einstellung zu Toilettengängen







Sonntag, 5. Mai 2013

Himmelfahrtskommando Tag 5 Flexible Response

Es geht in die Schlußphase. Nur nicht verkrampfen. Schwierigkeiten aus dem Weg räumen und fertig werden. Die zweite Luft ausnutzen und schon mal die Siegesfeier planen. Oder eben: Nächte durchmachen.

Na Mädels, wie läufts bei euch???
Ich hatte inzwischen schon das erste Schaulaufen, wenn auch nur im eigenen Wohnzimmer.
Zwei Haken und Ösen hatte ich schon recht früh irgendwann mal angenäht zum besseren anprobieren. Nachdem ich schnell noch Taschen gebastelt hatte und die Taschenklappen ordentlich aufgenäht hatte.
so von weitem ist das Coatee fertig. 
Und das ist mein Poblem.
Es fehlt nur noch ein klitze winziges bischen kleinscheiss.
Seufz.
Abends beim fernsehen werden die Schulterklappen und Wings noch mal schnell mit Lace versehen, die Knöpfe für die Schulterklappen angenäht, unterm Kragen, ich freu mich jetzt schon auf die Fummelei wenns darum geht Schultergurte anzulegen.
Der gute Andi hat mir grobe Leinwand mitgebracht aus der wir die Fransen basteln. ein paar Lagen Leinwand übereinander eingenäht und dann einfach die Fäden gezogen bis nur noch die Kettfäden standen. Flauschig :D

Innenfutter hab ich letzte Woche gekauft, zugeschnitten und zum Großteil eingenäht.
Und damit sind wir, zum ersten mal in meinem Himmelfahrtskommando auf dem aktuellen Stand der Dinge.
Es fehlen noch zwei Nähte am Innenfutter. Okay, okay ich gebs zu, unten muss es auch noch angeheftet werden. Und dann noch eine kleine Gemeinheit. Auf den meisten Bildern kaum zu erkennen aber zum Glück in einem Fachbuch gefunden. Auf die Turnbacks gehören noch Blau Weisse Ovale mit einer Granate verziert. 
Die müssen noch gebastelt werden.

Resume der Woche:
Ich war soooo Faul! aber nu geh ich nähen. Motivationshilfe funzt, ich will schliesslich das fertige Teil präsentieren!

Sonntag, 28. April 2013

Himmelfahrtskommando Tag 4 Lagebesprechung

Geht’s voran, geht’s nicht voran? Sind Änderungen im Plan nötig? Kann jemand  mir helfen?

Ach geht mir doch wech!
Lagebesprechung! Am arsch die Räuber... ich bin hier eher die, die sich den Wolf näht.
Neeee, ich bin nicht am abkotzen, könnt mir gaaarnicht passieren *genervthaarsträhneausderstirnblas*
Aber lasset mich berichten.(dann muss ich wenigstens nicht Nähen!)

Was hamma denn soweit? Die Laces in Pairs sind drauf. die Teile sind eingefasst, eigentlich wirds langsam Zeit aud dem Kilo Mett wieder ein Schwein zu machen.
Alleine, keine Chance. Ärmel müssen dran und da bin ich ne niete. Das fiese bei diesen historischen Schnitten ist das die Ärmel recht hoch auf die Schulter gehen, die Ärmelkugel sieht auch irgendwie verwirrend aus. Aber ich hab ja genug gute Näher im Freundeskreis. Und das Regimental Dinner steht an. Da kann man das flugs gemeinsam machen.  Ich bekomme endlich meine Ärmel eingesetzt, und den ein oder anderen bewundernden Blick. so ein Coatee ist schon beeindruckender als unsere, im vergleich, eher schlichten Highland Coatees. 


Nach dem ausgibigen Bügeln der Laces gehts nun an die Knöpfe *yay*
Auf die Lapels gehören pro Seite zehn Stück. Die sind nichtmal nur Deko! Die Knöpfe werden auf die Jacke genäht, die Lapels bekommen Knopflöcher und werden dann auf die Jacke geknöpft. Sinn und Zweck? Wenns mal etwas kälter ist kann man sie aufknöpfen und zuklappen. 
Man lernt ja nie aus!.
Bei der Plazierung der Pairs musste daher schon darauf geachtet werden wo hinterher die Knöpfe hin kommen da die Knopflöcher in den Laces liegen. Und aus purer Boshaftigkeit hält der oberste Knopf auch noch den Kragen. 
Das annähen geht hier allerdings flott. einfach den Stoff an der richtigen Stelle vorsichtig einschneiden, Stift des Knopfes durchstecken und wenn alle Knöpfe stecken auf der Innenseite des Coatee mit einem dicken Faden auffädeln. 

die restlichen 22 Knöpfe sind dann allerdings Einzelstücke. 
Wobei wir 6 erstmal ad acta legen, denn die müssen in die Falten der Turnbacks, der Rockschöße. Soweit sind wir noch nicht. 
Knopflöcher vernähen kann ich mir zum Glück auch schenken. Das war in den niederen Rängen unüblich. *Freude*
Das gute Stück sieht nun wirklich schon aus wie eine richtige Uniformjacke. Ein trügerisches Bild. Denn es ist noch gemein viel zu tun!

Als nächstes kommen die Wings und Schulterklappen. Eigentlich aus einem Stück doch diese Information kam etwas spät, also aus 2 mach eins. Zum Glück müssen die nicht wie in der Napoleonik in die Ärmelnaht eingenäht werden sondern werden einfach außen auf die  Schultern aufgesetzt. 
Ich hab beschlossen erst die Wings anzusetzen und danach die Laces aufzunähen, denn dann kann ich sie optimal plazieren. Habe aber um einiges mehr Gefummel. Aber auch das lässt sich lösen.


das ist jetzt gemogelt, da ich kein passendes
photo hatte ist dies das coatee vom Captain
Zeit für den nächsten Sew In. Die turnbacks snd fällig. Daheim schnell vorarbeiten und die Innenseite der Schöße mit der weißen Wolle auslegen und die Falten vernähen. Die Knöpfe dran und ein Laceband dran.
Dann gehts auf zum Andi.
Ich hatte mir das ja sooo schön leicht gedacht.
Naja immerhin hab ich dem Andi einen Lacher beschert.
Die vermaldedeiten Turnbacks! Erstmal die Falten ordentlich nachbügeln, und dann die Schöße vorsichtig zusammen legen und festheften. Das überlappte alles irgendwie. Des Rätsels Lösung hielt Andi in der Hand. Die Dinger werden auf Pass geschnitten. (!)
Also mit Schneiderkreide die Kanten verlängern, ein paar mal tief durchatmen und ab an die Schere!
Beide Seiten brav annähen und FERTIG!!!
Wäre da nicht....
Ach, mach ich nächste Woche.

Resume der Woche:
Ich hasse nähen und besonders wenn man gerad fertig ist und jemand sagt: das sieht aber komisch aus ist das original???

Sonntag, 21. April 2013

Himmelfahrtskommando Tag 3 Offensive!

Es geht los. Zuschneiden, heften, erste Anprobe. Yippieh oder oje?

Was hab ich da nur angerichtet???
Meine bisherigen Näherfahrungen beschränken sich auf eine Marlenehose unter Anleitung und ein Highland Coatee ca. 1815 unter noch viel mehr Anleitung....
Aber ich bin ja ein großes Mädchen und ich schaff das! *schwör*
Aber nicht ohne Netz und doppelten Boden.
Also ran ans Probeteil.
Schnitt aufgelegt, auf das gute alte Bettlaken, und ratzfatz ausgesäbelt. und dann erstmal ran an den Rechner sich den Schnitt anschauen und die "Anleitung" lesen. 
Ja, beim nähen sollte ich einen Fahrradhelm tragen.
Und dann gehts rund, Rumsuchen, was ist Innen was ist Aussen? Oben und Unten kann ich gerad noch identifizieren, die Naht bis hier, die bist da? Hier was umgestülpt... 
Oh Gott!
Stecknadeln dran und ab an die Nähmaschine.
Und wenn ich sage Nähmaschine, dann meine ich Nähmaschine... die gute Adler Superba. von 1957. Die ist so idiotensicher da komm sogar ich mit klar!

Inkusive Nähhilfe... zugegeben ;)







Fertiges Probeteil. Meiner Meinung nach passt es wie angegossen... andere Leute sind da anderer Meinung und nach kraftvollem Zugreifen (eine Freundin hielt mal die Rückennaht ab) ist klar da müssen wa noch wat bei...
Aber die Änderungen kann man auch prima am Original machen also muss ich da nicht weiter mit rum fummeln. 
Beweiss erbracht ich kann auch freihändig!.
Und hab nun einen schmissigen neuen Putzlappen. ;)

Also lauern auf den Wollstoff. 
Um den abzuholen findet man sich ende Februar auf einem matschigen Parkplatz in Holland wieder, Es ist Sonntag, und Drill Day der Gordons, am Tag zuvor war der Ball of the Dutchess of Richmond und zu diesem Ball hatte mein niederländischer Freund meine Bestellung meinem Captain mitgegeben, dieser bewegt sich nun in schmissigem Militärschritt zu seinem Wagen, öffnet seine Heckklappe und brüllt über den kompletten Parkplatz:
"Wenn du deinen Stoff suchst, der ist in meinem Kofferraum"
Sätze die man in Holland gerne hört....

Mit meiner Beute reite ich Heim und mache einen Termin mit Regimentskollegen zum gemeinschaftlichen zuschneiden und Milchkaffee trinken.

Das passiert dann auch. Spannender Weise stehen 2 erwachsene (naja) Männer und eine Frau um einen Esstisch und schnibbeln an der Wolle herum. Während die zweite anwesende Frau in der Küche etwas anstellt das dem Duft nach in Lammbraten enden wird. 

So macht nähen spaß!
Arbeitsteilung ist klar, die Herren schnibbeln und Fachsimpeln ich hock auf der Couch und löse die Schnitte wieder von den ausgeschnittenen Teilen und sortiere. 
Gemeinsam wird der Corpus und die Ärmel zusammengeheftet. Danach ist klar. Das Lamm ist nicht umsonst gestorben; das haben wir uns jetzt verdient!

Zurück daheim beschliesse ich ein wenig zu schummeln.
Hatte ich die Authentik erwähnt? 
Ja, hatte ich. 
Um ein authentisches Coatee zu nähen sind Nähmaschinen tabu. 
Doch, ach...
Bei den Basicnähten beschließe ich zu mogeln. Also Rücken- und Seitennähte sowie die Ärmel flugs mit der Maschine gemacht. Die müssen bestimmt eh nochmal auf weil die Taille ja eh noch nicht so ganz sitzt. 
Das war dann auch die erste und letzte Abkürzung die ich nehmen kann.
innerhalb von einer halben Stunde ist alles zusammengenäht. 

Nun gehts los mit der Fummelei.
Auf die Seitenteile müssen die Lapels aufgenäht werden, die Revers, die werden zuerst, auch aus rotem Wollstoff, raw edge Kante auf Kante genäht und dann mit blauer Wolle "überzogen" also Außenkante wieder raw edge und dann nach innen umschlagen und vernähen. Ähnlich gehts auch bei den Ärmeln, die sind vom Schnitt her schon zu lang angelegt und unten leicht ausgestellt weil die Cuffs, die Aufschläge eben aufgeschlagen werden. Diese werden auch mit blauer Wolle eingefasst, den sogenannten Facings.

Und hier wird nun das erste mal so richtig gepfuscht.
Auf Lapels sowie Cufs gehören Laces. der Spass nennt sich "Scollope tip laces in Pairs" also immer zwei gefaltete Wollbänder deren Spitze leicht gewölbt wird. Lace ist noch nicht da. Es wäre auf den Cuffs einfacher es erst auf zu nähen und die dann ein zu setzen, aber was nicht da ist kann man nicht verarbeiten. Also kommen die Laces später.

Dafür kann man Kragen. 
Der besteht insgesammt aus vier Teilen, je zwei in rot (Unterseite) und zwei in blau (richtiiiiiig, Oberseite)
Da ist unser allgemein schnitt aber Falsch, der Kragen hat die falsche Form. die richtige Form haben wir an Hand von Illustrationen abgeleitet. Leicht geschwungen, spitz zulaufend. vorne soll er eine Linie bilden mit den Lapels.
Und das mir.... bisher hatte ich nur Stehkragen, dieser ist auch noch umgeschlagen!!! 
Ich brauche fast eine Woche bis ich die passende Form hingebogen bekomme. Immer schön abends, nach der arbeit. Zum Glück hab ich eine Schneiderpuppe. Dennoch, wer an diesen Abenden unter meinem Fenster entlang flaniert kann noch einiges an blumigen Flüchen lernen. 
Irgendwann jedoch hab ich tatsächlich einen fertigen Corpus mit Lapels und Kragen, das gute Stück ist knapp knie lang und mir schwant schon das das noch heiter werden wird.

Es ist mal wieder ein Sew In geplant. Oder sollte ich eher sagen, klönen, Kaffee und Downton Abbey mit ein wenig genähe?
Ich stelle meinen Kragen vor und gemeinsam mit Regimentskollege Andi wird verfeinert. Auch die Wings werden in Angriff genommen. Nein keine späten Schmähschreiben an Paul McCartney ausserdem war zumindest Live and let die ne coole Nummer. Die Wings sind blaue "Bögen" die an die Schultern angesetzt werden, verziert mit Laces (in pairs) und Fransen symbolisieren sie das wir zu einer Flankenkompanie gehören, einer Wing company eben.
Der gute Andi hat auch meine Laces, die unser Captain bei ihm abgeliefert hatte.
Also kanns nun richtig rund gehen.

Im Laufe der nächsten Wochen werden die aufgenäht. Erstmal auf den Lapels, diese einfassen und dann die Pairs, immer schön im selben Abstand. Dann Cuffs, auch einfassen und 2 Pairs. Dann Taschen. einfassen, und Pairs. und nachdem alles fertig ist, kommt Kollege Andi mit "Ach übrigens hast du gesehen auf den Taschen sind noch Zierstreifen und die Abstände sind anders...
Nahttrenner sind echt unwitzig wenns hansgenäht ist. 

Laces aufnähen ist eh eine Wissenschaft für sich. für ein gefaltetes Lace brauche ich im Durchschnitt 25 Minuten dazu kommt die Zeit fürs plazieren, vermessen und feststecken. 
Aber irgendwann ist man fertig, und der irrigen Annahme das man es geschafft hat. 
Freund Andi weißt in dem Falle dann auf die Laces am Rücken und auf den Wings hin. Hätte er nicht tun müssen.

Resume der zweiten Woche (ein weiteres höhnlisches Kichern)
Man kann so langsam erkennen was es werden könnte. Es ist noch viel zu tun!





Nachtrag:

kleine erweiterung zu Alex kommentierte vorhin:

[...]Machste mir auch so ne schicke Jacke? *duck. Nee, echt, sieht schon ziemlich cool aus. Aber wenn man nu bedenkt, daß das Ding dazu da war, sich drin totschießen zu lassen, find eich die ganze Arbeit ja doch unökononisch. Haben die Jungs sich das früher eigentlich auch selbst genäht oder gab'S dann nen regimentsschneider?

Da wollt ich doch mal flugs etwas näher drauf eingehen, zumal ich bei vielen Teilnehmerinnen des Himmelfahrtskommandos las das sie etwas Schwierigkeiten mit der leicht militärischen Herangehensweise haben.

also hier mal ein kleiner Erklärungsversuch zum Thema Warum nähe ich eine Uniform und vielleicht auch was ist Reenactment und warum macht man sowas.

1. Ne Alex ich näh dir keine aber du kannst gern den Schnitt haben ;)
2. Kleine Uniformkunde.
Rein optisch sind diese alten Uniformen einfach spannend. und, wie ich schon in den Comments schrieb, sie wurden nicht genäht um sich darin tot schiessen zu lassen sondern um darin tot zu schiessen.
Bevor nun einigen die Haare zu Berge stehen hier der Erklärungsversuch.
Die Waffen zu dieser Zeit waren bei weitem nicht so tödlich wie heutige es sind. im durchschnitt kamen 2/3 der Soldaten unbeschadet oder nur leicht verwundet aus der Schlacht. Die wenigsten starben direkt durch Musketenschüsse, viel verbreiteter war der Tod durch fehlende medizinische Versorgung.
Die prachtvollen Uniformen sind nicht nur Ausdruck der damaligen Mode sondern auch eine recht simple Form der psychologischen Kriegsführung, je schmissiger und verzierter desto "angsteinflößender" denn eine Macht die ihre Soldaten so kleiden konnte hatte sicher auch genug Geld für Nachschub und Waffen...
So hats zumindest mal mein Geschichtslehrer erklärt ;)
Zum Redcoat der britsichen Armee gibt es noch eine besondere Anekdote.
Man erzählt sich das napoleonische Truppen einen britischen Offizier gefangen nahmen und diesen beim Verhör auch fragten warum die brieten diese grellen Uniformen trugen.
Der Offizier antwortete gelassen "Damit die soldaten das Blut nicht sehen und auch verwundet noch in die Schlacht gehen."
Seit diesem Tage trugen die französischen Truppen braune Hosen....
Scherz
Im Grunde trugen die Briten rot weil das damals der günstigste Stoff war.
Zugegeben das Geschichtlein klingt besser :D

Die Jungs mussten nicht selber nähen (offensichtlich) es gab Regimentsschneider Da aber die Regimenter lokal Ausgehoben wurden und auch oft von Lokalen Schneidern beliefert wurden konnte es gut sein das die Röcke verschieden ausfielen.
Nichtnur hatte jedes Regiment eigene Facings und Knöpfe sowie Laces in Form und Farbe, wenn mehrere Schneider für das selbe Regiment arbeiteten konnte es auch passieren das die Jacken eben nicht alle gleich aussahen.
Auf Campagne also im Feldzug wurde selber geflickt. Entweder von den Soldaten selber oder von den mitreisenden Frauen. (yepp es gab Frauen die mitreisten, entweder soldatenfrauen oder sog. Campfollower die sich Geld damit verdienten zu waschen, kochen oder flicken oder enderes ;) ) Interessantes buch zum thema "Following the drum - the women in Wellingtons Army.

Warum ich so eine Uniform nähe dürfte sich ergeben, ich brauche sie für mein Hobby. Warum ich so ein Hobby mache ist vielleicht eine Frage die die ein oder andere interessieren könnte...
Eine gewisse Affinität zum Militär bzw eine Faszination für Uniformen hab ich schon länger. Da war es ein kleiner Sprung zum Militär Reenactment. bei der Zivildarstellung ists mir einfach etwas zu langweilig.
grins
Die Kriege die wir darstellen wurden anders gefochten als die heutigen. Sie wurden direkt auf einem Schlachtfeld entschieden, dementsprechend wenige Zivile Opfer gab es.
Wir versuchen uns hinein zu finden in das Leben der Soldaten damals. natürlich gelingt das nicht zu 100% aber auch wenn wir nicht Tausende gegen Tausende stehen und auch wenn wir wissen das die Musketen auf der Gegenseite nicht geladen sind man bekommt doch einen guten Einblick. Und so manch kalter schauer läuft einem den Rücken runter wenn eine Feindliche Truppe mit aufgepflanztem Bayonet auf einen zu marschiert.
Wir zeigen den Zuschauern wie laut und chaotisch so eine Schlacht war. und regen vielleicht auch dazu an mit anderen Augen über Krieg nachzudenken.
Und das tolle ist.
wenn die Schlacht vorüber ist dann sind wir alle freunde.
Franzosen und Engländer teilen sich ihr Bierchen oder den Eintopf.
Wir tun mehr für Völkerverständigung als so manche anderen Gruppierungen.
Durch dieses Hobby habe ich Freunde in Europa. Darsteller aus der selben Epoche, teilweise auf verschiedenen Seiten, mit denen ich im regen Austausch stehe. Man besucht sich auch gegenseitig, so komme ich nächste Woche recht günstig nach london ;) und wann hört man sonst schon Sätze wie "wenn du das nächste mal in der Schweiz bist, komm auf nen Kaffee" oder "ach du willst nach Amsterdam ins Museum, du ich komm mit, kannst bei mir pennen"
Ja, wir spielen Krieg. Aber nicht um Sinnlos in der Gegend herum zu ballern, sondern um zu Zeigen wie es in der damaligen Zeit war. Mit Lehrauftrag so zu sagen.
:)
Hier nochmal ein Regimentsphoto von "meinen" Gordons und ja ich will nur angeben weil ich ausnahmsweise als officer rum laufe und nicht als Soldat (ich bin das mit der gelben Flagge)

Montag, 15. April 2013

Himmelfahrtskommando Tag 2 Schlachtplan

Was ist zu tun, um das Ziel zu erreichen? Muß der Schnitt noch geändert werden? Muß noch besorgt werden? Welche Arbeitsschritte sind nötig? Wie viel Zeit hab ich realistisch gesehen? Welche Probleme könnten auftreten? Wo sind die Abkürzungen?
Ein Klarer Fall von "Was bisher geschah"
Da ich dieses Projekt mehr oder weniger im Rückblick schreibe lässt sich ein Unterfangen das einige Montate an Planung umfasste so präsentieren als wäre es, schwupps, in einer Woche passiert.

Erstmal Bestandsaufnahme, was brauche ich überhaupt?
Bei uns gibts einen "Running Gag" "immer erst den Captain fragen" also eben jenen angetickert und sich Infos beschaffen. Dazu Bilder von den Uniformen der Zeit.
Was ich brauche:
Den Schnitt!
ca. 2,5 m roten Wollstoff
ca. 0,5m blauen Wollstoff
20m weißes Lace (gewebtes Wollband)
ca 1m weißen wollstoff
1,5m weiße Baumwolle dünn
Zwirn, weiß oder grau
42 Regimentsknöpfe, groß
2 Regimentsknöpfe, klein
4 Haken und Ösen

Dazu natürlich Nadeln, Stecknadeln, eine gute Schere... und wie ich mich kenne; eine Packung Heftpflaster, Unmengen Milchkaffee und Zigaretten.

Wie ich schon erwähnte ist der Schnitt ein állgemeiner Jackenschnitt um 1770 also ist Vorsicht geboten.
Ohne Recherche läuft nichts. Nun kann man leider nicht einfach Photos gucken sondern muss schon etwas erfinderischer sein. Auch bei gezeichneten Darstellungen muss man darauf achten, wann sie angefertigt wurden da die Zeichner gerne Unwissen durch Pfusch kaschierten.

Also Problem 1 die richtige Form des Coatee, Wie sieht der Kragen aus, wie und wo werden die Taschen plaziert, wo muss das Lace appliziert werden.
Innerhalb einiger Wochen trägt man Bilder und Photos zusammen, aus diversen Büchern, von historischen Gemälden... ein Freund der im National Guards Museum arbeitet besorgt Photos von einem Coatee, dieses ist zwar von 1796 und hat eine andere Kragenform aber der Rest ist immerhin ähnlich.
Die Recherche wirft Problem 2 auf, viele Darstellung zeigen den Rücken nicht oder die Seiten, sind verschwommen oder stilisiert. es gibt viele Diskussionen. Maßeinheiten sind so gut wie garnicht zu finden.

Problem 2 Wo bekomme ich was?
Die Wollstoffe hat ein Freund in Holland am Lager, den blauen hat der Captain noch im Keller, Innenfutter *hust* IKEA *hust* Lace... immer erst den Captain fragen, der gute Mann bestellt.
Die Knöpfe... *schluck* das ist das wahre Problem. Das Internet birgt keine Rettung. nirgendwo gibt es die richtigen Knöpfe zu kaufen. Zum Glück für uns hatte unser Captain mal, vor Jahren, einen Satz bestellt. Aber ein Satz reicht nicht. Aber wenn die dicke Tante schon nicht gerne näht, sie kann auch andere Sachen. Ich lasse mir ein paar Knöpfe geben und erstelle Gussformen und gieße selber Knöpfe. Man hat ja sonst keine hobbies.


Nun muss man nur noch irgendwie Struktur in die Sache bringen. Also was kann ich wann machen? Da ich teilweise auf Warenlieferungen warten muss, oder darauf das ich mich mit den anderen Nähern treffen kann ist strukturiertes Arbeiten kaum möglich. Man macht das, wofür man gerade die Rohstoffe da hat.
Deadline für das gute Stück ist Juli. das ist schaffbar!
Weiter gehts nächste Woche mit der Offensive! (das wird Lustig *Augenverdreh*)

Sonntag, 7. April 2013

Himmelfahrtskommando Tag 1 Der Auftrag!

Was ist das Ziel? Was will ich nähen? Welcher Schnitt? Welcher Stoff? Probeteil oder nicht? Entscheidungen, Entscheidungen.

Harr Harr Da hab ichs ja jetzt ehrlich gesagt ein wenig einfacher, naja zumindest ein wenig....
Kein stundenlanges durchwühlen von Schnitten, das Grübeln über den richtigen Stoff, die alles entscheidende Frage, "Steht mir das überhaupt?"

Was ich nähen will ist klar; 
Da wir gerade eine neue Darstellung planen brauche ich eine neue Uniform Jacke. ein Sogenanntes Coatee.
dieses mal die Uniform des Coldstream Regiment of Foot Guards um 1777.
Das fertige Endprodukt sollte irgendwann mal ca so aussehen:

Bis dahin ist es allerdings ein laaaaaanger Weg.

Auch das Thema Schnitt lässt sich recht schnell abfrühstücken, denn da wir zu mehreren ein und das selbe Regiment darstellen benutzen wir auch alle möglichst den selben Schnitt.
In der "Szene" gibt es diverse Websites wo man Schnitte bestellen kann, teilweise abgenommene, nachgearbeitete hin und wieder sogar Kopien von original Schnitten.
Und so eine Kopie wurde mir in Form von gescannten .JPGs überreicht.
Verschwommen, klein und; natürlich... auf Englisch.

Zu meinem Glück war der Schnitt schon vergrößert worden und, noch mehr Glück, der gute Mann, dessen Schnitt es war, hat auch noch ca. meine Größe und Statur.
Da war nur mein Problem... als Frau hab ich einfach mal Kurven an Stellen, an denen sie bei Männern nicht vorgesehen sind. Also Probeteil und anpassen an weibliche Form. Rubrik Westfälische Buerntochter. Dazu ist der Schnitt allgemein gefasst, sprich man muss ihn den Eigenenheiten des Regiments anpassen *yay*

Was den Stoff angeht wird mir auch hier einiges an Entscheidungen abgenommen, das Coatee ist ein Redcoat, also rote Wolle, basta.

Resume Woche 1:
Die meisten Entscheidungen wurden mir bereits abgenommen. Da die Art des Projektes kaum Spielraum für eigene Auslegungen lässt.
Die einzige Entscheidung die ich wirklich zu treffen habe ist; mach ich das nun wirklich oder lass ichs bleiben...
Da ich hier blogge ist wohl klar wie ich mich entschieden habe! 
Also ran ans Werk! nächste Woche gehts weiter.....

Anmerkung der Redaktion: Leider (lach) bin ich nächsten Sonntag in Italien daher steht ein Timer für den nächsten Blogeintrag bereit. am Sonntag pünktlich um 16h wird der neue Eintrag hier erscheinen. (hoffe ich zumindest)