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Donnerstag, 17. September 2015

Ein Schanzenlaufer für Weimar



Für die diesjährige Reisegesellschaft in das Weimar der Frühromantik musste ich noch meine Garderobe ein wenig komplettieren. Im September kann es in Thüringen ja schon ein wenig kühl und regnerisch werden, da könnte ein schützendes Kleidungsstück vonnöten sein .

For this years toursit party to the Weimar of the early romantics I had to complete my wardrobe. September can be chilly and wet in Thuringia, one needs protective clothes.

Beim Stöbern auf Pinterest sind meine Augen immer wieder sehnsuchtsvoll bei einem Mantel hängen geblieben, der sich in der Sammlung des Metropolitan Museum in New York befindet.
Foto: Met. Mus. NY
Er ist von einer wunderbar lässigen Eleganz und so zeitlos, dass ich ihn am liebsten auch im Alltag tragen würde. Ich finde ihn einfach todschick. Den wollte ich haben, und da für die Tage in Weimar auch eine Landpartie zu Schloss Belvedere angekündigt war, hatte ich erst recht einen Grund, ihn nachzuarbeiten.

Whilst browsing throught Pinterest my eyes, again and again, wandered longingly to a coat which can be found in the Metropolitan Museums collection in New York.
It's wonderful casual elegance is so timeless that I'd actually wear it on a day to day basis. I just love it. I wanted this coat, and since there was an outing planned in Weimar, to visit Belvedere manor, I had the perfect excuse to reconstruct it.

Sabine (Kleidung um 1800) wies mich darauf hin, dass diese Art Redingote im Journal des Luxus und der Moden  unter dem Begriff "Schanzenlaufer" erwähnt wird. In der Novemberausgabe des Jahres 1800 ist auf der Kupfertafel 32  " eine junge deutsche Dame in einem Schanzenlaufer oder schwarzem Ueberrock von Casimir nach neuester Mode" abgebildet. Der Autor weist in der Beschreibung darauf hin, dass dieses Kleidungsstück als erstes von den Amsterdamer Damen aus Patriotismus getragen worden sein soll und meint abschließend, dass es gewiss eine gesunde und bequeme Herbsttracht sei. Eine zweite Erwähnung findet sich im Journal aus dem folgenden Jahr im Mai, in einem Bericht aus London: "Zu Ehre des Sieges bei Copenhagen tragen jetzt die englischen Damen beim Morgenausgange Oberröcke, die man Copenhague-Coats nennt. Es sind die Schanzenlaufer der Holländerinnen mit einer kleinen Veränderung des Schnitts." Von der lieben Svenja erhielt ich den Hinweis auf die Nennung des Schanzenlopers bei Caroline des la Motte Fouques "Geschichte der Moden" als mantelartige Bekleidung der Schanzenarbeiter in Holland und den Niederlanden.
Auch in der Schweiz war der Begriff "Schanzenloper" geläufig - obschon er in meinen Ohren ganz unschweizerisch kingt . Im Zürichischen Wochenblatt von 1805 findet man ihn in der Warenaufzählng eines Kleiderladens am Rindermarkt. Das Schweizerische Idiotikon  beschreibt den Schanzenloper als "langer und weiter, aus dickem Stoff gefertigter, meist mit Pelz verbrämter Überrock für Männer", der gewöhnlich nur zu Hause getragen wurde oder als großen Nachtrock. Im Z(üricher) Spital wurden so die Schlafröcke der Männer genannt, dort bestand sogar ein eigener Schanzenloper-Fond zur Anschaffung der selben. 1799 findet sich die Bezeichnung in einer Züricher Schneiderrechnung. Schanzen-Lopper wird 1835 in Zürich ein leichter Überrock  genannt. Die Anmerkung weist daraufhin, dass das niederdeutsche-niederländische Wort wohl mit der Sache vom Norden in die Schweiz gelangt sei.

Sabine ( Kleidung um 1800 ) informed me, that this kind of redingote showed up in the "Journal des Luxus und der Moden" under the name "Schanzenlaufer". The november Volume of the year 1800 contains the fashion plate 32 "eine junge deutsche Dame in einem Schanzenlaufer oder schwarzem Ueberrock von Casimir nach neuester Mode" (a young german girl wearing a Schanzenlaufer or a black overcoat made of Casimir after the latest fashion). The author adds in the describtion that this sort or clothing was first worn by patriotic women in Amsterdam, and closes with the statement that it would very well be a sensible and comfortable autumn garb.
A second reference can be found in the folowing years Journal, in the may volume. A report from London states "To honour the Copenhague victory, the women are now wearing so called Copenhague-Coats for their morningwalks. They are the Schanzenlaufer of the dutch women with slight alterations to the cut." Dear Svenja told me about a reference to a Schanzenloper in Caroline des la Motte Fourques "Geschichte der Moden" (History of fashions) as a coatlike garnment worn by the redoubt workers in Holland and the Netherlands.
Even in Switzerland the name "Schanzeloper" was known, even tho it sounds so un swiss to my ears. in the Zürichischen Wochenblatt von 1805 you can find it amongst the stock lists of a swiss fashion shop at the Rindermarkt. The  Schweizerische Idiotikon describes the Schanzenloper as "long and wide mens overcoat fashioned from thick fabric and lined with fur." which usually was worn at home or as some sort of a Banyan. In the Zurich infermery the mens nightgowns were called Schanzenloper, they even had their own stock of such garnments. One can find the term on a 1799 aquisition bill from a Zurich taylor. in 1835 Schanzen-Lopper is the term for a light overcoat. A reference explains that the dutch / german word traveled alongside the garnment into switzerland.

Das Original in New York, wird vom Museum auf etwa 1790 datiert, stammt aus Europa und ist aus einem leicht knittrigem sandfarbenem Baumwollstoff gearbeitet.  Einzige Dekoration sind die schwarzen Einfassungen an Kragen und Ärmelaufschlägen. Mit seiner Pelerine und den angedeuteten Taschenklappen auf der Rückseite lehnt sich die Form des Mantels an die Herrenbekleidung an. Am Oberkörper ist er schmal geschnitten und springt nach unten hin weit auf, an den Seiten sind zusätzlich Keile eingesetzt, die zu mehr Weite verhelfen sollen.

The original from New York is dated by the museum to 1790, of european origin and is fashioned from a slightly wrinkled sand coloured cotton fabric. The only piece of decoration are the black lining on the collar and sleves. With the tippet and the hinted pocket flaps at the back, the coat is similar to a mens coat. Cut narrow on the upper body and opening wide towards the bottom, wedges are added in the sides to give it further width. 

Für die Nachbildung wählte ich einen mittelschweren Canvas (Sabine hat mir bei der Suche nach dem geeigneten Stoff hilfreich zu Seite gestanden). Ich hab ihn zuerst gewaschen, um die steife Appretur zu entfernen und danach ganz zart gefärbt. Den Farbton des Originals habe ich nicht genau hinbekommen, aber es gefällt mir so wie es ist.

For my reconstruction I chose a middle weight canvas (Sabine kindly helped me with the search for a good fabric). I washed it to get rid of the stiff dressening and then carefully dyed it. I didn'T manage the colour of the original 100% but I like it the way it is. 

Am Schnitt habe ich eine ganze Weile herumgetüftelt, ob ich ihn genau getroffen habe, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Aber im Großen und Ganzen, fällt der Mantel wie das Vorbild. Die Ärmel sind aus zwei Teilen zusammengesetzt und recht eng und mit "Armbeuge"geschnitten. Die Aufschläge haben eine hübsche Rundung am Rand und sind mit schwarzem Band eingefasst.

The pattern was a piece of work and it took me quite a while to fit it propperly. I can't say if i managed the original pattern but on the whole the coat falls and looks like the orginal. The sleves are made of two pieces, quite tight and cut with an "ellbow crook". The cuffs have a nice rounding on the edge and are lined with the black ribbon.


Die Pelerine habe ich doppellagig (anders als beim Original) gearbeitet, damit sie schöner fällt und gegen Regen Schutz bietet. Sie wird von einem aufgenähten schwarzen Band umrandet. Der Mantel ist nur im oberen Bereich und den Ärmeln gefüttert. Beim Vorbild im Metropolitan Museum scheint das Futter eine Art aufgerauhter Barchent zu sein, was sicher auch einen wärmenden Effekt haben sollte. Ich entschied mich für dicht gewebtes Leinen.

Differing from the original is the tippet which I double layered to give it a bit more form and to have a bit more protection from the rain. It also is framed by the black ribbon.
The coat is only lined in the upper body and sleves. It seems the original lining is made of barracan, which certainly has a warming aspect to it. I decided on tightly woven linnen.


Die Verarbeitung des festen Canvas war recht mühsam, mit einer dickeren Nadel ist er kaum zu durchdringen, dafür musste so manche der dünneren Exemplare verbogen in den Mülleimer wandern. Viele lange Nähte waren zu bewältigen, und Weimar rückte unaufhaltsam näher. Zum Glück wird mir beim Autofahren nicht schlecht, und ich konnte die Anreise für die letzten Arbeiten an dem guten Stück nutzen.

The handling of the firm canvas was really tedious, it was near to impossible to penetrate it with a thicker needle, leading to a lot of bend and broken thin needles wanderin into the litter bin. A lot of long seams were to conquer, and Weimar was drawing close. Luckily for me I don't get travel sick in a car, so I was able to use the drive towards Weimar for the finishing touches.




Ich war wohl die Einzige der Weimarer Reisegesellschaft, die sich über das durchwachsene Wetter beim Ausflug zum Schloss Belvedere gefreut hat...

I think I might have been the only one glad about the unsteady weather on the Belvedere outing....


Foto: Eliane Caramanna

Donnerstag, 2. Juli 2015

Mein neuer Nähkasten / My new sewing kit


Dafür, dass ich schon seit einiger Zeit handarbeite ist meine Austattung eher dürftig.
So war unlängst Thema, dass ich nicht mal ein Nadelkissen besitze.
Abhilfe wollte ich schon vor einiger Zeit schaffen, als ich auf Ebay ein "Nähkästchen" ersteigerte, welches mir optisch recht nett erschien. 
Dummerweise war es ein Biedermeier Nähtisch und damit weniger transportabel als ich mir gedacht hatte. 
Even tho I've been seing for quite a while now my equipment is rather poor. 
I had a discussion a while ago because I don't even have a pin cusion.
I thought i had founr a remedy when i got a nice bidermeier sewing box on ebay. I liked the look and didn'T check the measuremnts. came out i got a sewing table. a bit difficult on the transportation side of things.

Dass ich eine Lösung brauchte war klar. 
Die Frage war nur wie?
Das Internet hatte viele hilfreiche Ideen. 
Allerdings stand schnell fest, dass ich nichts Fertiges kaufen wollte sondern lieber mal schauen wollte, was meine Vorräte an Krempel so hergeben.
It was obvious that I needed a solution. 
The question remained, how?
The internet held some helpful ideas.
Even tho it occfured to me, quickly, that I didn't want to buy something ready made. 
I prefered checking my piles of "usefull" stuff

leerbox photo C by Gundi
Ich benutze schon seit längerem eine leere Lauensteiner (Pralinen) Holzkiste als "Projektkiste" für ein aktuelles Stickprojekt.
Diese Kiste hat ein herrliches Format. Groß genug um viel an Material und Werkzeug zu fassen, leicht und kompakt genug um sie schnell einzupacken... Sprich: eigentlich toll. 
Nur... wenn man alles in eine Kiste reinkippt ist Chaos vorprogrammiert.
For a while now I've been using a (Lauensteiner) chocolate box as a project box for an ongoing embroidering project.
This box has perfect measurements, big enough to hold several materials and tools but still small, and light enough to grab it and take it somewhere.
In one word: Great!
But, if you just throw everything into a box it'll be chaos in no time.

So ein wenig was zum Ordnung halten wäre nett.
Zudem, das muss ich zugeben, manchmal muss ich sortieren und ordnen, für den Seelenfrieden. 
leerbox photo C by Gundi
Und wenn man eh auf Material für mehrere Projekte wartet (danke Poststreik!)
Keeping things a bit tidy would be nice. 
And I have to admit, sometimes I have to sort stuff and order things, it sets me at ease.

Ein weiterer Grund waren auch die vielen angefangenen Projekte. 
Abends im Bett wird gestickt (mit der Stickkiste)
Am Schreibtisch liegt ein Paar Breeches. auf dem anderen Schreibtisch eine Portmanteau, im Wohnizmmer eine Open Gown... *seufz*
Alles schön getrennt, damit man mit Materialien und auch mit dem Platzverbrauch nicht durcheinander kommt.
Another reason would be the many different projects which i have littered all over my flat.
I embroider in bed (with the project box)
At my desk there's a pair of breeches, on the other desk a portemanteau, in my livingroom an open gown.... *sigh*
Everything neatly seperated so the materials and the usable space don't get mixed.

Aber es gibt eben auch ganz viele Materialien, die an allen Baustellen benötigt werden.
Fingerhut, Maßband. Nadel und diverse Fäden, Stecknadeln. Ganz zu schweigen von Scheren und Nahttrennern.
Und eben hinter diesen Sachen hab ich immer hinterher gesucht. weil ich sie mal da, mal dort hatte liegen lassen.
But there are a lot of materials which you need with every project. 
Thimble, measuring tape, needles, threads, pins.. Not even mentioning scissors and seam ripper.
Those were the things i spent most of my time hunting after cause I left them littered all over the place.

Also musste eben eine Kiste her.
Und warum nicht die nehmen, die eh schon da ist?
Nur ein wenig "gepimpt" musste sie noch werden.
I needed a box.
So why not use the one already more or less in place?
I only nedded to pimp it a bit.

Nachdem ich Gundis altes Nähkästchen repariert hatte, stand der Plan ein dickes Nadelkissen auf den Deckel zu montieren.
Macht das Zielen einfacher, man kann auch mal blind hinlangen und Stecknadeln abwerfen.
Da ich noch ein schönes Stück meiner Indienne hatte, hab ich einfach das benutzt, um das Kissen zu bespannen und hab dann direkt die Kiste farblich ähnlich gestrichen.
After I had repaired Gundis sewing box I had decided that it would be a good idea to put a big pin cushion on the top. 
Makes it easier to aim. you can put the pins down without looking.
Since I had some onf the indienne left I decided to use it for the cushion and to paint the box accordingly.

Dann kam das Innenleben:
Grundidee war ein Stück Leinen, halb geschlagen und alle paar cm
abgenäht, so dass sich kleine Taschen formen, und damit die Seitenwände verkleiden. Das schafft Platz für Kleinkram
wie z.B. die frisch gebastelten Zwirnsterne.
Then I started on the inside. 
The main idea was a piece of linnen, folded half and sewn together every few centimeters, so it forms little pockts. This was used to coat the side walls of the box. Offering space for the little knick knacks like my freshly made thread winders

Irgendwie finde ich einfach das sieht netter aus als die Plastik Garnspulen.
und bei Stickgarn die ultimative Lösung!
I just think they look so much nicer than the plastic spools.
and they're "The" idea for embroidering thread!



Die bei Ebay geschossenen Garnspulen werden auch nach und nach ihren Weg in den Kasten finden, wenn es mal authentischer sein soll und herrlich wenn man sich Faden auf Vorrat wachst.
The wooden spools I found on Ebay will find their way into the box sooner or later aswell. 
For when I need a bit of a more authentic kit.
They're also nice when you need to stock up on pre waxed thread.


Natürlich musste mein neues, selbst gebasteltes mini Nadelkissen  auch rein.
Die Alternative wenn man mal ein wenig beweglicher sein muss.
Z.B. beim Abstecken oder auf Reisen. :)
Of course, my new small pin cusion also found a place inside.
It'S the alternative when you need to be more mobile. for example when you work on the tailors manequin or are traveling. :)


Wie man sieht, es füllt sich schon recht gut.
An der Innenseite des Deckels habe ich ein wenig Gummiband gespannt um dahinter weitere Kleinteile fest zu klemmen.
As you can see, it's already filling up quite nicely.
On the inside I atached a rubber band to pin small things and papers behind.

Noch nicht ganz so ordentlich,
Wir arbeiten daran.
As you can see not that tidy, yet.
But, we're working on it.


Donnerstag, 12. März 2015

Open Front Jacket 2

So, und jetzt nochmal in schön.
Once again, in nice.

Wie man meinem vorhergehenden Blogpost schon entnehmen konnte, oder zumindest dessen Titel, war das letzte, inzwischen fertiggestellte, Projekt ein open front jacket fürs 18.
Ich hab ja - gefühlt - gerade erst begonnen meine Ausstattung zusammenzustellen (ja, ja wenn man die Darstellung wechselt).
As you might have noticed in my last post, or at least from it's title. My last, now finished, project was an 18th century open front jacket.
I'm still at the beginning of getting my gear together, or at least it feels like it.
(yeah, I know, the issues when changing your role)

Die Jacke war so ein „ach kann man mal machen“ Projekt. 
Eine Freundin hatte mir schon vor längerem das Bild vom Schokoladenmädchen unter die Nase gehalten und direkt erwähnt, dass sie noch gerade genug Seide in einem ähnlichen Farbton hätte, um so ein Jäckchen zu nähen.

Lange war das Thema ins Hintertreffen geraten, bis neulich die Freundin mit der Seide und dem Schnittmuster vor der Tür stand.
Es gab kein Entrinnen!
The jacket was one of those "some time i'll get around to doing it" project. A friend of mine had shown me the image of the chocolate girl whilst mentioning that she'd have enough silk left over to make such a jacket.
We postponed the project for quite a while, till the friend finally appeared on my doorstep, silk and pattern in hand.
There was no escape!

Diese Art Oberbekleidung ist eher ein "Alltagsgerä"t, etwas Bürgerliches, in dem man ich gut bewegen und arbeiten kann. 
Sozusagen das Jeans und Sweatshirt des 18ten.
Hier ein paar Beispiele bei welchen Gelegenheiten man es vielleicht trug.
This kind of wear was the middle class day to day wear. Something you could move and work in. The jeans and sweatshirt of the time, so to say.
Here some examples on for what one might have worn it:







Um Kunst zu machen, zum Beispiel.
For making art, for example.










Oder um zu Musizieren.
Or to make music.







Für einen Ausflug in die Stadt.
For a trip into town.













Oder um einfach die Natur zu geniessen.
Or to just enjoy the spoils of nature. 

Donnerstag, 22. Januar 2015

Vernet Gedanken / Vernet thoughts part 2


Wir schauen heute in den Zeitungen wonach wir in den Läden vielleicht die Augen offen halten sollten / könnten.Verschaffen uns einen Überblick über Trends und Preise. Die Zeitschriften, die ich kenne geben zumeist Markennamen, Preis und sogar die Ladenkette an, bei dem die Artikel zu beziehen sind.
Vor 200 Jahren wurde vielleicht doch eher unter der Prämisse geschaut ob, wenn man etwas gefunden hatte, von dem man überzeugt war, dass es einem stehen würde, man es gut nacharbeiten konnte oder wie einfach /bezahlbar man an die nötigen Materialien kam.
Konnte man Teile in den Geschäften kaufen? Oder gar ganze Kleider erwerben / in Auftrag geben?
Ich bin schwer überzeugt, dass damals die farbigen Abbildungen viel intensiver und genauer betrachtet wurden als wir heute die Modephotos betrachten.
When we look at magazines or catalogues nowadays we usually are looking for shopping advices, are suveying trends and fashions. Most magazines even list brands, prices and retailers.
200 years ago, I recon, women were more looking to copy the dresses, sew them on their own or, of course, have them tailored for them.
They thought along the lines of how affordable materials were or if they could get them at local retailers or had to send out for them. and, of course was it worth the effort / time.
I am convinced that the beautifully coloured plates were much more closely observed than we look at the fashion photos today.


Und genau das war auch mein Fehler.
Bisher habe ich noch nie von einem Modekupfer gearbeitet. Nun, unter der Vorgabe so genau wie möglich und mit möglichst vielen Details und Accessoires, hab ich da erst mal ein Problem.
And this was a mistake I made.
Since now I had never worked off a fashion plate. And now, in the context of having to copy it as close as possible and with as much details and accessoirs as possible... that's a problem.

Mein Einstieg in das Projekt begann mit der Plate eines Kleides, das ich einfach nur klasse fand. Besonders die Schuhe hatten es mir angetan und ich war überzeugt dieses Kleid nähen zu wollen, nur damit ich auch die dazu gehörigen Schuhe herstellen kann.
Ich signalisierte also mein Interesse....
Allerdings wurde ich sehr schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt.
Und das eigentlich nur durch den Umstand, dass gewisse, auf dem Kupfer verwendete Stoffe heutzutage mehr als schwer zu bekommen sind.
Also entschied ich mich für eine Herren Kupfer.
Zugegebenermaßen weil ich da noch dachte eine schon vorhandene Hose nutzen zu können.
Doch ach.
Ich scrollte fröhlich durch die noch zu vergebenden Modekupfer und entschloss mich rein nach der Optik für eins.
My first contact with the project was a plate of a brautiful dress, which I desperately wanted to sew. Mainly because I fell in love with the boots and I really, really wanted to make those.
I wanted that dress. So I signalled that I was vaguely interested.....
I was pulled back down to earth rather quickly. By the fact that I had no chance of aquireing certain fabrics used on the plate.
So I decided on a male plate.
But ah.....
I happily scrolled through the still available plates and decided on one just by the looks.

So ein lockerer Schuss aus der Hüfte. „Ich nehm den da!“
Vollauf davon überzeugt, dass ich ja nur „mal eben“ nen Mantel und ne Weste bauen muss.
Den Hut kann man bestimmt wo organisieren und der Rest wird schon....
Ich war jung und unerfahren....
Als Bildende Künstlerin hatte ich mit die Modekupfer vom künstlerischen Aspekt her angesehen. Art der Darstellung, Pose, Farbigkeit usw.
Weniger Aufmerksamkeit hatte ich den verwendeten Materialien geschenkt, und den Details.
A not really thougth through „I'll take this one!“
Totally convinced that I could swing that plate... Just a coat and a waistcoat to do... The hat I could probably buy somewhere. And the rest.... i could swing it.....
I was young and unexperienced....
As a painter I had looked at the plate from the art and technique aspect. Colours, pose, composition.
I paid less attention to the materials to use. Or the details which also were to add.

Ich bin es eben auch gewöhnt höchstens mal in Katalogen zu blättern und mir die Kleidungsstücke heraus zu suchen, welche ich bestellen möchte.
Unter dem Aspekt im schlimmsten Falle (der eintrat) einen Schnitt erstellen zu müssen, bzw. eine möglichst genaue Kopie zu schneidern, hatte ich mich noch nicht mit Modekupfern beschäftigt.
Nachdem ich endlich eine Übersetzung des französischen Textes hatte, war auch klar dass ich eine neue (Leder) Hose nähen muss.
Und mit einem mal sah ich all die Details, die ein Bild so lebendig machen.
Details, die ich vom künstlerischen Standpunkt her sehr wohl wahrgenommen hatte, allerdings hatte ich nie den Kontext gesehen, dass ich das nun auch alles nachbauen oder besorgen muss.
Etwas, dass heute noch viel schwieriger ist als damals. Denn wir können nicht einfach in den Kurzwarenladen an der Ecke und ein paar Meter Spitze oder Litze kaufen. In meiner Region ist es nicht schaffbar auch nur einen simplen Wollstoff zu finden der 100% Wolle ist. Wir haben heute, zum Glück, das Internet.
I'm used to browsing catalogues for clothes to order.....
Taking into account that the worst case szenario was that I would probably have to construct a whole new pattern (which of course I did) I had never occupied myself with fashion plates. had never concentrated on the details and never looked at them from the „I have to copy this as close as possible“ angle.
After I finally had a translation for the french text accompanying it it was time to abandon all hope, since i found out i couldn't use a pre existing pair of breeches but had to sew new (buckskin) breeches
And suddenly I saw all those details. The details I had well noticed in the artistic context... and which I now saw on a different plane alltogether. I had to get them or make them. The more the better.
Something that is even more difficlt today since the shops don't cater to needs like handmade laces, and the likes anymore.
In my region it isn't even possible to buy plain 100% wool.
Luckily we have the internet!

Daher begann mein Vernet Projet damit nach Stoffen, Details und Accessoires zu recherchieren: Handschuhe, Brille, Uhrenkette.... Was sich eben so findet.
Ich habe eine Kiste angelegt, oder eher eine Schublade in der Kommode, in der sich nun seit einigen Wochen alles ansammelt, was irgendwie mit dem Projekt zu tun hat.
Ich finde es herrlich ein Nähprojekt zu haben, bei dem ich so zwischen Tätigkeiten variieren kann.
Recherche, Materialbeschaffung, das eigentliche Nähen. Und eben nicht nur ein Kleidungsstück sondern ich kann mir aussuchen ob ich heute an der Hose arbeite oder lieber am Mantel oder Hemd.
Das macht es so viel spannender.
Aber auch so viel chaotischer beim Sortieren und Strukturieren der Aufgaben und Materialien.
Therefor my Vernet project started with research towards fabrics, acessories, techniques..... sorting them into groups like „make them, buy them, decide if I need them“ Things like hankerchief, watch fobs, glasses.... Things you see.
I took a box, or to be more exact I emptied a drawer in a komode in which I'm now collecting all the bits and pieces.
I really like having a sewing project where I can switch between so many different things, like research, locating resources, materials.... the sewing itself, where I can vary between different pieces of clothes and materials. I can decide if I'd prefer the trousers or the waistocoat today.
This keeps the project interesting.
But also a bit more chaotic when it comes to get structure into it and sort out all the tasks and materials.




Donnerstag, 15. Januar 2015

Vernet Gedanken / Vernet Thoughts Part1


Angefragt werden, ob ich an dem Vernet Projekt teilnehmen möchte, war etwas, dass mich doch eher erstaunt hat.
To be asked to participate in the Vernet Project was something that took me by surprise.

Meine Herangehensweise an dieses Projekt ist ein wenig unorthodox,wahrscheinlich weil ich an das Nähen selbst ein wenig zögerlich heran gehe.
Während für viele das Nähen der Weg ist, der das Ziel darstellt, so ist es für mich doch eher Mittel zum Zweck. Ein wenig geschädigt von frühen Nähversuchen geht es bei mir eher darum möglichst kostengünstig Kleidung für bevorstehende Veranstaltungen zu erstellen.
Und selbst da, muss ich gestehen, ist es zumeist so, dass mir Freunde sagen „Das würde dir stehen.“ „Näh dir doch das.“
Ich muss also eigentlich immer erst ein sachte in eine Richtung geschoben werden.
Wenn ich mich dann aber zu etwas durchgerungen habe entwickle ich dann doch einen gewissen Kleinkinderstolz mit dem ich mich dann festbeiße.
My aproach towards the Project is a bit more unorthodox, probably because the sewing itself is something I aproach rather hesistant.
For most of the participants sewing is the journey that is it's own reward. For me it's more like the necessary evil standing between me and a new dress. Still suffering from a rather early sewing mishap I only sew because it is the only way to make the reenactmen hobby affordable for me. And even there, admittedly, friends have to, more or less, shove me towards a dress which I should be sewing.
But once I started a new project I usually become deeply engrossed.

Es ist ein großer Unterschied ob man sich ein Modekupfer von 1814 anschaut oder die Vogue vorm Vormonat. (nicht das ich Vogue lesen würde, ich geh ja nichtmal zum Frisör....)
There's a difference between looking at a fashion plate from 1814 or reading last weeks Vogue. (Not that I read Vougue, I don't even go to the hairdresser)

Ich glaube wir schauen heute ganz anders als vor 200 Jahren.
Wir sind nicht nur Bilder verwöhnt sondern gerade zu Bilder übersättigt.
Die Aufnahme- und Wiedergabemedien haben sich so viel weiter entwickelt.
Wo um 1800 noch Radierungen, Stiche, Schnitte und andere druckbare Techniken genutzt wurden, die alle mehr oder weniger Zeitaufwendig waren, so schießt man heute ein Photo, bearbeitet es am Computer nach und hat, im Grunde, innerhalb von Minuten eine druckbare Datei die sich quasi unendlich vervielfältigen lässt.
I think we look at pictures in a different way than people did 200 years ago.
We're not only picture spoilt but more likely picture oversaturated.
The recording and repetition devices have developed so fast.
Where in the 1800s we needed etchings and cuts and other printable techniques were used, which all were more time consuming, we nowadays snap a photo, edit it on the computer and are done with it. Within minutes we have a printable file which we can reproduct as often as we desire.

Wir ersticken nahezu in Bildern. (ich sage bewusst nicht Photos, da dass, was in den meisten Printmedien gedruckt wird mit einem Photo nicht mehr viel zu tun hat.)
Und dementsprechend oberflächlich betrachten wir auch die Bilder.
Durch die fast naturgetreue Wiedergabe von Farben und Formen, der Grafiker spricht hier von einem hohen Ikonizitätsgrad, sind wir sehr verwöhnt, besonders im Bereich Mode.
Man blättert durch eine beliebige Modezeitschrift und kann anhand der Bilder direkt Farbe, Form, und zum Teil auch Beschaffenheit der abgebildeten Kleidung erkennen.
Da mussten unsere altvorderen ein wenig kreativer sein, und die Darstellenden sehr genau.
We're more or less drowning in pictures (I don't use the term photo on purpose because the things we see in most magazines are only remotely related to true photography)
And thus superficial we look at them.
Due to the nature like imaging of colours and shapes, we are spoilt, especially when it comes to fashion.
When you browse through a fashion magazine the pictures tell you exactly the colour and flow, the form and sometimes even the texture of the clothes.
Our anncestors had to be more creative there. And the people makin the pictures had to be much more exact.

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Abenteuer in Shoetown - Der Tragödie fünfter Teil - Vor der Winterpause

Willkommen, einmal mehr, bei den Abenteuernn in Shoetown.
Heute geht es ein wenig an den Rokoko Testschuhen weiter.
Bevor diese, wahrscheinlich, für den Winter eingemottet werden.
Ich bin jetzt an einem Punkt, wo ich Absätze brauche, und wie soll ich sagen, ich habe Absatzschwierigkeiten.
Welcome, once again with the adventures in Shoetown.
Today we'll have a wee look at the Rokoko shoes.
Before I'll put them away for a winter break.
I've reached a point where I need heels. And, what can I say? I've got some difficulties procuring some.

Aber erstmal geht es natürlich ein wenig weiter.
Wo waren wir noch gleich?
Ach ja, nach dem Fehlversuch ist vor dem Fehlversuch.
But for now it goes on.
Where were we?
Oh, yes, after the mistrial is before the mistrial.

Ich hab mich intensiv mit der Kundin beraten, die diese Schuhe, um die es ursprünglich ging ,haben wollte...
(Wir erinnern uns)
I've had a long talk with the customer who ordered the shoes in the first place....
(we remember....)

Der eigentliche Plan war die Schuhe rahmengenäht mit Absatz zu machen und (ausnahmsweise) über den ungleichen Leisten.
(Hier ein paar Bilder vom Progress der roten Testschuhe)
The original plas was to framesew the shoes and atach a propper heel. And (fornonce) with a left and right last.
(here a few photos of the red testshoes) 

Dieses Projekt läuft auch weiter. Also die rahmengenähten Probeschuhe werden weiter nebenher laufen.
Allerdings haben wir uns entschlossen die Schuhe mit der Stickerei nun doch wendegenäht zu machen und über gleichem Leisten.
Also, ein weiteres Probeteil, das angefertigt werden muss - allerdings erst im Laufe der nächsten 2 Wochen.
Solang gibt es noch genug anderes zu tüfteln.

This project, of course, will go on, as a sideproject. But we've decided to make the embroided shoes as turn-sewn shoes with a much smaller heel and on a same last.
So again, a new mock up I have to make. But I have roughtly 2 weeks to do so. For the time being i've got enough other things on my plate.















Donnerstag, 2. Oktober 2014

Der "Utrecht Schnürleib" / The "Utrecht stays"

Oder auch:
Es ist nicht vorbei, bevor die fette Frau nicht gesungen hat!
Or:
It ain't over till the fat lady sang.

Es wird langsam Zeit sich modisch auch mal mit dem Empire / Regency zu beschäftigen, da ich im nächsten Jahr zumindest eine Veranstaltung zu dem Thema habe.
Und ausnahmsweise mal wirklich NICHTS zum anziehen. Bisher war ich in der Zeit ja nur in Uniform unterwegs.
Nun, diese Zeiten scheinen vorbei, und Zivil in Hosen rumrennen ist zwar angenehm und praktisch aber nicht unbedingt das, was ich möchte.
Also muss eine neue Garderobe her.
(Macht euch also drauf gefasst im Rahmen der nächsten Wochen/Monate so einige Nähblogs zu sehen. incl. dem Nörgeln und Wimmern, 
denn :ich nähe noch immer nicht wirklich gerne.)
Ti's time to slowly look into Regency / Empire fashion. I'll have at least one event next year concerning this topic.
And, for a change, I really have NOTHING to wear. Since I've been wearing uniform in this particular era so far. And since wandering around in a breeches role isn't something I'd do in a civillian display.... I need a new wardrobe.
(So brace yourself, there'll be a lot of sewing blogposts on here including the moaning and ranting. Cause I still hate sewing!)

Anyways!
Um eine ordentliche Garderobe herzustellen muss man mit den Basics beginnen:
Chemise und, noch viel wichtiger, einen Schnürleib.
Die Sabine von "Kleidung um 1800" hatte vor einiger Zeit hier einen Schnürleib vorgestellt, der nicht nur recht einfach in der Herstellung schien, sondern auch simpel im Handling. 
Und gerade für jemanden wie mich, der oft alleine unterwegs ist, ist es wichtig Kleidung zu haben, die man alleine an und ausziehen kann.
Anyways!
For a propper wardrobe you need to start, of course, with the basics, chemise and, even more important, stays.
A while ago, Sabine from Kleidung um 1800 promoted a pair of stays here which not only looked simple in manufacturing but also seemed to be rather easy in the handling.
For someone like me, who's usually on her own, it's rather important to have clothes you can put on and take off on your own. 

Nun ist die liebe Sabine um einiges schlanker als ich. Und alle anderen Blogs, die ich zu dem Thema Schnürleib las, schienen auch verfasst von Damen, die.... nun sagen wir, sich gut hinter mir verstecken können.
Well, now Sabine is skinnier than I am. And most of the other blogs I read on the tipoc of stays were written by ladys who also... uhm well, let's say who can easily hide behind me.

Also war die Aufgabe klar definiert: 
Schnürleib tüfteln und herausfinden ob moppelige Damen da auch reinpassen, bzw. solche mit etwas mehr "Holz vor der Hütt'n".
So I had a task ahead of me. Work out if this stays also work for women with some more curves.

Sabine stellt dankenswerter Weise in ihrem Blog einen Schnitt zur Verfügung. 
Für mich die perfekte Gelegenheit eine Methode zu testen Schnitte durch Vektorisieren zu vergrößern. Ich hatte schon länger darüber gegrübelt ob es nicht vielleicht möglich ist einen Schnitt als Vektor zu bearbeiten (dann ist er beliebig vergrößer- und verkleinerbar). Diesen könnte man dann so aufteilen, dass man ihn am heimischen Drucker auf A4 Seiten verteilt ausdrucken kann. 
Was soll ich sagen....
funzt!


thankfully Sabine provides us with a pattern for this stays on her blog.
For me the perfect opporunitiy to see if that method of morphing patterns into vectors would work out. A thing i had pondered about for a while now. Transformed into a vector graphic it should be possible to alter a pattern as you need it for your size, and you can then even print it out on your home printer.
What shall I say:
Works!

Auch wenn ich bei Ansicht der Teile so ein klares Gefühl von "das kann gar nicht passen!" hatte, ging es erstmal total unbedarft ans Probeteil.
Even tho, when looking at the pieces I had the certain feeling of "that's never going to fit!" I started the mock up anyways.

Bitte nicht über die Farbe wundern, ich bin gerade dabei ein paar Dekostoffberge abzuarbeiten, am fernen Horizont erwartet mich schon ein schwuppenlila Frontklappenkleidprobeteil...
Worauf es ankommt ist aber:
das Vergrößern als Vektor funktioniert einwandfrei. Die Teile passten und
ich konnte die Gussets konstruieren.
Please don't judge me for the colour I am currently trying to get rid of old deco fabrics...
further down the line a puff lilac empore dress moc up awaits me....
But; The resizing by vector works like a charme. The pieces fit and I was ready to construckt the gussets.

Und genau da lag der Hase im Pfeffer!
Denn ich "outboob" schon einige der anderen Mädels.
And that's where the spam hits the fan.
Cause I basically outboob most of the other girls.

Ich entschloss mich dazu tropfenförmige Gussets zuzuschneiden, von denen ich der Meinung war, dass ich problemlos hinein passen würde, und habe diese in das Probeteil genäht.
Angezogen und.....
Naja, irgendwas stimmte noch nicht aber i'ch habs erstmal als "kann man so machen" verbucht.
Da fehlte in der Mitte allerdings noch der Blankscheit.
Ein entscheidendes Detail!
Denn bei einem  Brustumfang und einer Körbchengröße wie der meinen ist der Blankscheit das Teil, das alles zusammenhält.
I had decided on tear shaped gussets and cut some of which I was sure would fit me. 
Those Í sew into the mock up and gave it a test run....
Well.. something was a wee bit off but I decided to book it as "this is doable, I'll work the rest out later"
The busk was still missing, an important detail, As I was about to find out.
For, when you have my measurements and cup size the busk is the thing, keeping it all in place.

Es stand also nichts mehr dem Zuschneiden des "echten" Stoffs entgegen, und natürlich dem Anfertigen des Blankscheits.
Nothing left between me and cutting the fabric, well and manufacturing the busk...

Insgesamt hab ich 3 Tage für alles gebraucht, dann konnte ich endlich so richtig anprobieren und stellte auch schnell fest, dass die Gussets in dieser Form nicht funktionierten. Zwar waren sie groß genug um alles aufzunehmen ,was hinein sollte, allerdings waren sie am Brustansatz zu eng, so das es ein wenig "bullet bra" Optik bekam.
Ein Problem, dessen Lösung ich schnell bei Merja von "Before the Automobile" fand. Sie hatte die Gussets geteilt und einen Steg stehen lassen. Das verbreitert die Basis.
All in all it took me 3 days to finish the stays. Then I was able to propperly try them on for the first time. And i found out, rather quickly, that the gussets wouldn't work out in this shape. They were big enough to hold everyrthing they were suppodes to hold but the base was too slim, so i got a bit of an bullet bra look.
A problem that Merja over at before the automobile had already solved. She had cut the gussets in half and had left a fillet in the middle so the base got widened.

Nichts ist so schön wie Auftrennen,
No fun like unstitch.

Brustlineneinfassung aufgetrennt, Gussets wieder raus, geteilt, Steg geschnitten, alles wieder rein.
Aber, und das ist der Spass:
Durch das Teilen der Gussets und Einbauen des Stegs hat sich an der Grundweite nichts geändert, das wiederum heißt, das Schrägband passt, in eine kleine Falte gelegt, genau so wieder rein.
Ein weiterer Trick, den ich bei Merja gesehen habe, und den ich besonders Damen mit etwas mehr Oberweite ans (gut gepolsterte) Herz legen möchte:
Beim Einfassen der Brustlinie eine Kordel mit einziehen, die zwischen den Brüsten geschnürt wird, und mit der man die Körbchen ein wenig raffen kann,
dann ist alles sicher verpackt und die Linie macht sich um einiges besser.
Unstitched the breastline, removed the gussets, cut them in half, cut a fillet, sewn everything back in.
But, and that's the fun part:
By cutting the gussets in half and putting in the fillet i've widened the base witout adding width, so the bias tape still fit, (with a little extra fold)
Another trick I learned from Merja, and which I may suggest to the ladies with a bit more in the boob departement; add a little string when you stitch up the breast line. So you can tie it in the middle and gather the cups a little. this way everthing is packed safely and the line looks better.

 Ich bitte das schiefe Stehen zu entschuldigen.... komme aus einer Bergregion da ist oft ein Bein kürzer, damit man am Berg grade steht... ;)
Please excuse my lopsided bearing, I come from the mountains, it's quite common to have a shorter leg here, so you stand level in the mountains... ;)

Alles in Allem kann ich abschließend sagen: meiner Meinung nach funktioniert dieser Schnürleib wunderbar auch für breiter gebaute Frauen. Ein paar kleine Änderungen, aber nichts was besonders aufwendig oder weit her geholt wäre.
Ich finds gut
und kann es demetsprechend auch guten Gewissens weiterempfehlen.
Danke an Sabine für die tolle Recherche!
All in all, as a closing statement, I can say:
In my opinion this stays work like a charm, even for curvy women. Some minor alterations, but nothing too far out or too difficult.
I like it.
And therefor I can easily recomend it.
Thanks to Sabine for the research!





Donnerstag, 25. September 2014

Very Vernet


Heute gibts nur ein kleines Update. 
In 2015 wird dieses einmalige Projekt starten und ich kann jedem, der sich für Mode aus dieser Zeit interessiert nur nahelegen, es zu verfolgen!


Only a small update today.
In 2015 this unique project will start and I can only suggest to those of you, interested in fashion from this period to follow closely!

Donnerstag, 18. September 2014

Abenteuer in Shoetown - Der Tragödie vierter Teil - Das Empire schlappt zurück

Willkommen bei der neuen / überarbeiteten Version dieses Blogs.
Jetzt auch in Englisch!
Welcome to the new / updated version of this blog.
Now also available in english!

*wandert herein, den Imperialen Marsch vor sich hin pfeifend*
*irritiert umguck*
Ihr seid auch schon wieder hier!
Ist schon wieder eine Woche rum?
Naja mehr als eine Woche für diejenigen, die nur den Abenteuer in Shoetown folgen, oder?
Seht es mir nach, ein wenig Abwechslung muss sein!
*wanders in, whistling the imperial march*
*irritated look*
You? back again?
Has it been a week, already?
Well more than a week if you only follow the adventures in shoetown, right?
Cut me some slack, I need some diversion!

Vielleicht habe ich auch aus eben diesem Grunde erstmal ein Päuslein bei den Rokoko Schuhen ausgerufen...
Nein, nicht wirklich.
Aber wo die Rokoko Schuhe momentan eher ein vages Konzept sind, ein "man könnte mal..." bzw. ein "es wäre cool, wenn..." da sind die Empire Schläppchen ein klarer Auftrag, ein Paar Schuhe, zu einem speziellen Outfit, zu einem angegebenen Datum.
Und, Zitat:
"Du hast ja jetzt schon ein paar Erfahrungen gesammelt, da ist das doch garnicht mehr sooooo schwer."
Ja, äh, klar... 
Erfahrungen gesammelt... 
Bei auf dem Leisten rahmengenähten Rokoko Schuhen mit Absatz.
Da ist es natürlich kein Thema mal eben ein Paar wendegenähte, absatzlose Schläppchen zu bauen.
Naja, ehrlich gesagt war es das wirklich nicht.
Ich hatte bei der generellen Recherche schon ein paar Regengy bzw. Empire Schuhe gesehen.
Und, wie immer, der Reiz des Neuen.
Perhaps that's the reason why I called a break on the rokoko shoes...
Nah, not really.
But whereas the rokoko shoes are a mere concept, an idea, a "one could possibly...." or better a "it would be soooooo cool, if...." there the empire slippers are an official oder. A pair of shoes for a certain outfit, for a certain date.
And, quote:
"You already have some experience in shoemaking, it can't be thaaaaat hard."
Yeah... sure....
Experience.....
In crafting rokoko shoes with a last, sewn with a frame, with a heel.
After that making a pair of regency / empire slippers is, of course, a piece of cake!
Well, truth be told, it really wasn't that hard.
With the general research I had come past a few models of said regency slippers. And as always there was the tickle of the fresh, new project.

Also, los gehts!
Allons-y!

Diese Schuhe waren das Ausgangsmodell, aus dem ich eine "Variation zum Thema" bauen sollte.
Die Basisform.
Die Farbe habe ich den Umständen (Kundenwünschen) angepasst.
These shoes were the base model, of which I was to make a "variation of the theme".
The basic form.
Colour was changed due to circumstances (cstomers wishes).

 Runde Eins war natürlich wieder die Sohlenherstellung.
Diesmal wurde ja mit gleichem Leisten gearbeitet, das machte die Sache um einiges einfacher. 
Um das Wenden zu vereinfachen, und um zu verhindern, dass man eine all zu dicke, innenligende Naht hat, habe ich die Ränder abgeflacht.
Beim Betrachten einiger Originale hatte ich festgestellt, dass auch diese zu den Kanten hin flacher wurden.
Das Abflachen war wieder eine dieser Arbeiten, die mit ordentlichem Werkzeug einfacher von der Hand gehen. 
(Nur am Rande, der Erlös der Schläppchen ging kommentarlos für den Einkauf neuen Werkzeuges drauf.)
Round one of curse was the manufacturing of the soles.
This time, since I was working with a "same last" the shaping of the soles was much easier.
To make tuning easier, and to prevent a thick inside seam, I thinned the edges of the soles. I had seen this on photos of originals a while back, the soles get thinner towards the edges.
The thinning, again, was one of those tasks that would have been way easier with propper tools.
(FYI the earnings of this pair of shoes, with out a comment or delay, went into buying tools ;) )

Nachdem die Sohle fertig war, die geschlagenen Wunden verheilt und die Flüche verklungen, ging es ans Oberleder. 
Oder, wie in diesem Falle die "Oberseide" 
Da ich mir ja ein Modell ausgesucht hatte, das ich "angelehnt" nacharbeiten wollte, war das Formen des Oberleders nicht so kompliziert. 
Im Grunde sind diese Schläppchen genau so konstruiert wie Espandilles. Also kann man sich von deren Schnittmuster Referenzdaten holen.
Um den Schläppchen ein wenig mehr Stand zu geben, habe ich ein Leineninnenfutter angelegt.
After the soles were finished, my wounds had healed and the curses were mere wrinkels in the wind, it was time to tackle the uppers.
Pure silk, this time.
Since I was working off a model, shaping the upper wasn't really a problem. 
Also, these slippers strongly ressemble modern espandrilles so you can also get some hints off of their construction.
To make the slippers a bit stronger and thicker I lined them with linnen.






 Die Seiten- und Hinternaht habe ich mit schwarzer Seide übernäht, um dem Trimming des Spencers, zu dem die Schuhe getragen werden sollen, gerecht zu werden.
Und, zugegebenermaßen, um das "Verheiraten" mit der Sohle noch ein wenig hinaus zu zögern. 
Denn nach dem Verheiraten kommt das Wenden.
*schluck*
The seams on the sides and the back I covered with black silk, to relate to the trimming of the spencer to which these shoes will be worn.
And also, truth be told, to put of the marriage of the soles and uppers. Cause, after the marriage comes the turning.
*gulp*

Ich muss ehrlich sagen, ich hätte wirklich nicht gedacht, dass das Zusammennähen so zeitaufwendig ist, aber wenn man Innenfutter, Seide und Leder jongliert. . . .
Soll ja auch alles glatt liegen und passen und überhaupt.
To be honest i wouldn't have thought that sewing is so time comsuming when you juggle linnen, leather and silk....
It has to be wrinklefree and smooth.... and so on...

Dafür kann ich aber auch sagen, dass das Wenden viel einfacher ging als erwartet.
Man verzeihe mir hier, dass ich diesen kleinen Trick für mich behalte. ;)
I may also add, that the turning was way easier than I had expected.
My apologies for keeping that little trick to myself. ;)

So ganz fertig waren die Schläppchen noch nicht, es fehlten noch die Knöchelbändchen. Die wurden vor Ort angebracht. 
(Meine liebe Kundin hatte noch Seidenband, ich nicht)
The slippers weren't finished there and then. They were still missing the silk ankle ribbons. Those got fixed at my customers place.
(my customer had left over silk ribbons, I didn't)



Hier das fertige Objekt, an der Kundin,
(Danke an Gundi für die Bildererlaubnis
und für das kommentarlose ins Bild halten des Sonnenschirms aus dem Oh PARASOLe mio Post.)
Here the finished object, as worn by the customer
(thanks to Gundi for letting me use the photos and for the inspired adding of the parasol from the Oh PARASOLE mio post)


Die Schläppchen wurden übrigens für passend und bequem befunden.
Das hört man doch gerne.
For the record, it was mentioned that the slippers were a perfect fit, and rather comfy.
Something you're rather pleased to hear.