Sonntag, 14. Februar 2016

Das schwäbische Hirnkäpplein, auch Ohrlappen genennet - the Swabian braincap also called earflaps

Vor einigen Jahren besuchte ich in Salzburg eine reizende kleine Ausstellung im leider heute nicht mehr existierenden Barock-Museum in der Orangerie von Schloss Mirabell. Sie zeigte eine Folge von Blättern aus dem Balthasar Cornelius Koch zugeschriebenen Augsburger Klebealbum, das in der Zeit um 1780 entstanden ist. Seine detailreichen Darstellungen des Alltagslebens sind kulturgeschichtlich von hoher Bedeutung. Publiziert sind sie in dem umfangreich bebilderten Band "Die Kunst zu Wohnen", in dem das Album unter verschiedenen kulturhistorischen Aspekten vorgestellt wird. Ich habe einige der hier gezeigten Bilder daraus abfotografiert.
A few years ago a visited a quaint little exhibition in the, no longer existing, baroque museum in the orangery of the castle Mirabell. Shown there were a few papers, attributed to Cornelius Koch from the Augsburger Klebealbum, which was composed around1780. It's rather detailed depictions of day to day life areculturalhistorcally of highest significance.
They're published in a substancially pictured volume "Die Kunst zu Wohnen". Some of the pictures shown here I took from that book.

Kat. Nr. 13, Kinderzimmer childrens room

Natürlich sind die von zahlreichen Figürchen bevölkerten "Wimmelbilder" auch eine ergiebige Quelle für die Kostümforschung. Beim Betrachten der Bilder fiel mir insbesondere die Vielfalt der von den Frauen aller Stände getragenen Hauben auf. Da finden sich neben hochmodischen Dormeusen oder einfachen weißen Häubchen aller Art auch die traditionellen Formen, wie die je nach Stand ausgeschmückte Bockelhaube oder die sogenannte Judenhaube. Ich erinnerte mich ähnliche Haubenformen auch bei den Tonfiguren der Hafnerfamilie Rommel im Ulmer Museum gesehen zu haben, die im ausgehenden 18, und frühen 19. Jh. enstanden sind. Und ich hab sogar das Buch dazu,
aus dem ich ein paar Abbildungen herausfotografiert habe.
The detailed pictures populated with smal figures are naturally a fertile source for costume reseach. 
Looking at those images I especially noticed the vast variety of caps worn ba  women of all classes. There you find highly fashionable Dormeuses or simple plain whitte caps of different shapes, even the traditionals shapes depending of class and status; the decorated  Bockelhaube or the so called Judenhaube . I recalled seeing similar shapes of caps with the  Tonfiguren der Hafnerfamilie Rommel at the Ulmer Museum which were made in the late 18th century / beginning of the 19th. And I even own the book, from which I copied a few images.

E. Zumsteg-Brügel 39
E. Zumsteg-Brügel 3
Eine außerordentlich bizarre - und daher für mich in höchsten Maße anziehende - Form der weiblichen Kopfbedeckung dieses Kulturraumes ist eine Art Kappe aus schwarzem Stoff, die den Kopf eng umschließt und über der Stirn und den Wangen in drei Spitzen ausläuft. Bei den Ulmer Figuren ist sie entweder allein oder in Kombination mit roten oder weißen Zöpfen aus mit Atlas bezogenen Wülsten zu sehen.
An exceptionally bizarre - and for that reason for me highly appealing - form of female headgear from this cultural realm is a sort of cap made of black fabric which snugly breaces the head. Above the brow and at the cheeks it ends in thin peaks. With the figurines from Ulm it can bee seen worn on it's own or in combination with red or white, atlas covered, braid coils. 

In Gottlieb Siegmund Corvinus' "Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-Lexicon" (Leipzig 1715) wird eine solche Kappe unter dem Stichwort "Hirn-Käpplein" folgendermaßen beschrieben:
"Iſt ein ſchmaler, und nach dem Kopff geſchnittener ausgeſchweiffter Umſchlag uͤber das Haupt, von ſchwartzen Sammet oder Pliſch verfertiget, worinnen das Haar-Neſt frey und unbedecket bleibet, dergleichen das Frauenzimmer in Augſpurg auffzuſetzen pfleget." ( Hinweis von J. Pietsch in s. Beitrag zur Kleidung in Augsburg im späten 18. Jh. in "Die Kunst zu Wohnen"). 
In Ulm trägt die dreispitzige  Kappe laut Elsbet Zumstügel-Brügel die noch unelegantere Bezeichnung "Ohrlappen" ("Die Tonfiguren der Hafnerfamilie Rommel, Miniaturen zur Kulturgeschichte an der Wende vom 18. zum 19. Jh.").
In Gottlieb Siegmund Corvinus' "Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-Lexicon" (Leipzig 1715) such a cap is described as followed under the keyword "brain caplett":
"Is a narrow, and after the head fashioned curved wrap across the head, of black velvet or plush manufactured, wherein the hairbun stays free and uncovered, samely the women in Augspurg are accustomed to wear." (note from J: Pietsch in his contribution of clothes worn in Augsburg in the late 18. c. in (Die Kunst zu Wohnen) 

Sowohl bei den Ulmer Figuren als auch im Augsburger Album wird diese Kopfbedeckung in erster Linie von Frauen der unteren Stände getragen: Ammen, Köchinnen, Dienstmägde sind mit dem schwarzen "Dreispitz" abgebildet, und auch zur Tracht des Ulmer Fischermädchens gehört der schwarze Ohrlappen.
Kat. Nr. 6, Diele
Kat. Nr. 7, Küche kitchen
With the Ulmer figures aswell as in the album from Augburg this headdress is mainly worn by lower class women: Nurses, cooks. maids are depicted with the black "tricorn", and even the traditional dress of a Ulmer fishwife is completed with the black ear flaps.


E. Zumsteg-Brügel 33
Auch auf einem Frauenporträt von Angelika Kaufmann ist ein ähnlicher Kopfputz  zu sehen, die Kappe umschließt den Kopf  der Dargestellten jedoch eher wie ein Haarreif und lässt mehr von der Frisur sichtbar. Genauso sieht man es auch bei einem venezianischen Mädchenbildnis, dessen Bekleidung aber wohl weniger eine Tracht als ein Faschingskostüm darstellen soll.
Hinweisen möchte ich auch auf eine Bildquelle aus Schwäbisch Hall von 1794, die Mme du Jard für ihre Darstellung als Schankmagd im Hohenloher Freilandmuseum zum Vorbild genommen hat.
Bei der jungen Siederin links im Bild begegnet uns erneut das Hirnkäpplein. Mme du Jard berichtet auch von ähnlichen Kopfbedeckungen, die sie an mehreren Puppen in der Puppenstadt Mon Plaisir zu Arnstadt gesehen hat, entstanden im frühen 18. Jh.
Even on a Female portrait by Angelika Kaufmann a similar headdress can be seen, but the cap there frames the head of the depicted woman like a hairband and shows more of the hairstyle. It also can be seen with this venetian Girls Portrait, but it's save to assume, her dress is more likely a costume than a traditional dress.
I'd like to also point in the direction of another source from Schwäbisch Hall around 1794, which Mme du Jard took as a example for her display of a beer wench at the Hohenloher Freilandmuseum.
With the younger seether we again come across the brain cap. Mme du Jard also told me about similar head gears which she had seen in the dolltown "Mon Plaisir" (crafted in the late 18th century) in Arnstadt.

Foto: Mme du Jard

Da ich diese Haube trotz ihrer ungewöhnlichen Form sehr kleidsam finde, reizte mich natürlich ihr Nachbau. Leider kenne ich kein erhaltenes Original, daher war ich allein auf die oben dargestellten Bilddokumente angewiesen. Nach einigem Herumprobieren bin ich zu diesem Schnittmuster gelangt.
Since I find this cap, despite of it's unusual shape, rather appealing I was, of course, tempted to reproduce one. Sadly I know of none existing original, therefor I had to rely on the above picted images. After some trial and error I reached this pattern.

Schnitt Pattern
Ich habe es einmal aus schwarzem Samt als Oberstoff und einmal aus schwarzem Leinen als Futter zugeschnitten. Dazu eine Einlage aus Karton in gleicher Form. Den Samt habe ich mit Holzleim auf die Pappe aufgeklebt. Durch die Feuchtigkeit des Leims wurde diese schön biegsam. Nach dem Trocknen habe ich die Naht am Hinterkopf geschlossen und dann alles mit Leinen abgefüttert.
I cut it once from black velvet and once from black linnen. Added a inlay of carton in the same shape. I glued the velvet to the carton. The moisture from the glue softened the paper and it became easier to shape into form. After drying I closed the seam in the back and lined everything with the linnen.

Samt mit Leim auf Pappe aufgezogen

Ich finde, es sieht ein bisschen wie ein Bewohner der Tiefsee aus....
I think it looks a bit like something from the deep sea...




















Hier nun das Ergebnis. Optisch kommt es den oben gezeigten Darstellungen schon recht nahe, die Konstruktion ist jedoch rein spekulativ, da ich ja, wie schon erwähnt, keine Originale zum Vorbild hatte. Über Kritik und Weiterführendes freue ich mich sehr!
Here now the result. Visually it is rather close to the depicted originals, alas the construction is pure speculation, since I, as mentioned. had no originals to work of.
I'm glad about critique and furthering comments!













Samstag, 23. Januar 2016

Ein Hütchen für den Schleier - A hat for the Veil


Zu Weihnachten habe ich von meinem Mann ein wunderschönes und sehr sinnvolles Geschenk bekommen: er fuhr mit mir nach München und dort durfte ich mir in Tricia Leonhards Vintage Laden etwas Schönes aussuchen. Zur Steigerung des Vergnügens verabredeten wir uns dazu mit zwei lieben Freundinnen.
This year my husband made me a very nice and sensible christmas present. Together, we drove to Munich and there he told me to pick something to my liking at Tricia Lenhoards Vintage shop. To take the fun to another level we met up with two lovely friends.

Ich kann nur jedem, der nach München fährt, empfehlen bei der wunderbaren Tricia hineinzuschauen, es lohnt auf jeden Fall - aber Zeit einplanen, es gibt furchtbar viel Schachteln zu öffnen und Schubladen aufzuziehen....und überhaupt mit Tricia zu schwatzen, die richtig viel Ahnung hat Tricia Leonard Vintage.
I strongly advise all munich travelers to go and visit lovely Tricia. 
trust me, it's worth it! but schedule a lot of time! There's somuch boxes and drawers to open. ... and, of course, chatting with Tricia, she knows so much!
Tricia Leonard Vintage

Unter Anderem habe ich bei Tricia einen entzückenden Hutschleier aus Tüll mit eingearbeiteten Blumenborten gefunden. Schon länger hatte ich nach so einem Acsessoire Ausschau gehalten, mit dem ich einen Kopfputz des frühen 19. Jhs. bestücken wollte.
Diesen Plan konnte ich nun umsetzen. Madame B. hatte wieder zum Salon nach München geladen, dafür wolle ich einen neuen Hut anfertigen.
Bei der Suche nach geeigneten Vorbildern stieß ich auf folgenden Modekupfer aus Costume Parisien An 8 (1799) mit der Beschreibung "Chapeau a Boucles. Spencer sans Manches":
Amongst other things I found a cute tulle hat veil with attached floral ornaments. 
I had been looking for a piece like this for a while now. since I was planing on an early 19th century headdress.
Finally I was able to realise that plan!
 Mme B. had, again, invited to her munich salon, the perfect oportunity for the headdress!
Looking for suitable model I found the following fashion plate from the CostumeParisienn An 8 (1799) with the caption "Chapeau a Boucles. Spencer sans Manches";




Er zeigt ein schlichtes weißes Hütchen mit zwei Bändern, die mit Schnallen festgemacht sind. Davon fällt seitlich ein Schleier herab. Das ärmellose, vorne in Zipfeln auslaufende Spencerchen  gefiel mir ebenfalls und ließ sich schnell umsetzen. 
It shows a simple white hat with 2 ribbons which are fastened with buckles. The veil falls sideways, held by another ribbon. The sleeveless, pointed spencer also was to my liking, and quite wuick to make.

Das Hütchen fertigte ich aus Steifleinen, das ich mit cremefarbenem Seidentaft überzog. Für die Bänder verwendete ich den gleichen grauen Seidenmoiree, den ich für den Spencer ausgesucht hatte, und zwei Schnallen aus Perlmutt. Den Schleier habe ich wie auf dem Kupfer mit einem weißen Seidenband festgebunden.
The hat I made from buckram which I covered with cream coloured silk taffeta. The ribbons I made from the same moiree silk I had decided on for the spenncer and two mother of pearl buckles. 
I fastened the veil with a silk ribbon, just like it's seen on the plate. 


Ich fütterte den Spencer mit cremefarbenen Seide und fasste ihn mit einer Paspel ein. Er ist so gearbeitet, dass er von beiden Seiten getragen werden kann. Ich nahm mir die Freiheit an die Zipfel noch kleine Quasten aus Seidengarn anzufügen. 
I lined the spencer with cream coloured silk and framed it with piping, so it can be worn on both sides. I took the liberty to attach little tassles to the tips.




Zu dem Spencer passt sehr schön mein Chemisenkleid aus zartem wollweißem Batist. Es ist an den Ärmeln mit antiker Borte aus Weißstickerei verziert, die ich mit Reihen von Biesen eingefasst habe. 
Marvelously suiting the spencer is my white chemise dress made of off white batiste. It's sleeves are decorated with antique white work embroidery braid, which I framed with basting.

Komplettiert habe ich das Ensemble mit Ohrhängern und dazu passendem Collier von Martje Pieters
I finished the ensemble with Earrings and a matching necklace made by Martje Pieters

Für die Anreise nach München durch wildes Schneegestöber bot mein Schanzenlaufer ausreichenden Schutz.
My Schanzenläufer protected me during the snowy travel to munich.


Donnerstag, 5. November 2015

Das Fusselmonster ist fertig!



Hapschüh! Was für eine Fusselei! So schnell verarbeite ich Kunstfell nicht wieder! Aber nun ist es vollbracht, die quietschgrüne Pelisse ist fertig. Jetzt ist wohl jedem klar, welchen der Vernet-Kupfer ich zum "Nachbau" ausgesucht habe.
Atchoo! What a lint and sewing dust! I will not use faux fur anytime soon again! But now I'm finished, the screaming green Pelisse is finished. I recon everyone now knows which fashion plate I chose to "rebuild".

Konstruiert habe ich den Schnitt dafür möglichst einfach. Auf dem Kupfer ist keine Naht zu erkennen, mag sein, dass dies mit Rücksicht auf die Verarbeitung mit Persianerfell so angegeben ist, bei der man sich möglichst viele Nähte ersparen will. Ich habe also die Pelisse aus einem langen Stück ohne Schulternaht zugeschnitten. Für die glockige Weite habe ich an den Seiten Keile eingesetzt.  Der Ärmelschnitt ist ebenfalls einteilig und an den Schultern sehr weit geformt.
I created the pattern as simple as possible. There's no recognizable seam to be seen on the fashion plate. It's possible that this is due to the usage of the persian, with which you'd probably try to make as few seams as possible. So I cut the Pelisse in one, long piece, without shoulder seams. For the bell like width I added wedges on the side. The sleve pattern also is in one piece with a lot of width around the shoulders.

Die Verarbeitung der Materialien war recht schwierig, weil Ober-und Futterstoff in ihrer Beschaffenheit nicht so recht zueinander wollten. Der grüne Wollstoff ist sehr leicht und locker gewebt, und ich musste höllisch aufpassen, keine Fäden zu ziehen. Sperrig ist dagegen das schwere, schwarze Persianerfell - natürlich aus Webpelz - das als Futter vorgegeben war und die Pelisse sehr warm und kuschelig macht. Für den grellgelben Kragen, der auf der Rückseite mit einem gesteppten Zickzack-Muster dekorativ versteift ist, fand ich einen Seidensamt im exakt passenden Ton.
Mal ganz ehrlich: ich finde die Farbkombination von Schwarz, Quietschgrün und Grellgelb gelinde gesagt "gewagt". Es sind so gar nicht meine Farben!
The handling of the materials was quite difficult since inner and outer fabric differed so much in their nature. The green wool is very light and has a loose weave and I had to be extra cautious not to pull out threads. The persian -faux of course- was more on the cumbersome side. It was named for the lining on the plate and makes the Pelisse really warm and comfy. For the screaming yellow collar, which is decoratively stiffened by a zigzag on the back, I found a yellow silk velvet matching the given colour to a tee.
But honestly: the combination of colours black, poison green and a screaming yellow.... I find it a bit adventurous. Not my colours entirely. 

Ich hab ja lange darauf gewartet, dass die Dame auf dem Kupfer sich endlich mal umdreht, um mir die Vorderseite ihrer Pelisse zu präsentieren, jedoch sie wollte einfach nicht. Also musste ich mir selbst etwas ausdenken, habe mich aber auch an Originalen aus etwa dieser Zeit orientiert.
Vom Halsausschnitt bis zum Gürtel, der unter der Brust mit Häkchen geschlossen wird und mit einem Schmuckelement aus goldfarbenem Metall dekoriert ist, ist die Vorderseite der Pelisse mit Haken und Ösen verschlossen. In der Rückenmitte habe ich die Fältchen mit ein paar Stichen fixiert. Auch den Gürtel habe ich festgenäht, damit er auf der richtigen Höhe bleibt.
For a long time I waited for the woman on the fashion plate would turn around and show me the front of the Pelisse, but she didn't want to. So I had to conjure up something on my own. Of course, orienting on originals dating from the time.
From the neckline to the belt, which is fastened with hook and eye right below the breast and has a golden decor element. The Pelisse is also closed with hooks and eyes. 
In the middle of the backside I've fastened the folds with a few stitches to keep them in place. I also added a few stichtes to fasten the belt and to keep it in place. 



Die Pelisse trägt sich recht angenehm, weil die weiten Ärmel für ein Kleidungsstück dieser Zeit ungewohnt große Bewegungsfreiheit gewähren. Der Samtkragen schmiegt sich weich an die Wangen und das Fellfutter ist wunderbar kuschelig. Aber die Farbkombination ....
The pelisse is really comfy to wear since the sleves are rather wide for a piece of clothing from that era and they yield a lot of room to move. The velvet collar nestlest to your cheeks and the faux fur lining is so soft and warm. But the colours....

Es wird Zeit zum Ende zu kommen, der Bau des Riesenhutes wartet als nächste Herausforderung!
It is time to draw this project to an end, only left now is the construction of the big hat. The next challenge!

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Vernet Lederhose


Als ich vor über einem Jahr der Einladung folgte, am Vernet Projekt teilzunehmen, hatte ich nur eine vage Ahnung davon, was auf mich zu kommen würde.
Ich bezeichne mich ja eigentlich noch immer als Nähanfängerin, die Nähen nur als Mittel zum Zweck betreibt.
Der reine Fakt, dass ich gefragt wurde, erstaunte mich schon.
Und es reizte mich in einer Gruppe so versierter Kostümer zu arbeiten.
I only had a vague concept what would be awaiting me when I joined the Vernet Project a year ago. 
I'm still a novice when it comes to sewing, seeing it more as a tool than a passion.
The shere fact that i was asked astounded me.
And it was appealing to work in a group with such accomplished costumers.

Als ich dazu kam waren einige der Modekupfer schon vergeben, so dass die Auswahl schon ein wenig eingeschränkt war.
Meine erste Entscheidung, ein Kleid rein nach Optik aus zu suchen,  hinterfragte ich schnell, als ich mir das Kleid genauer ansah und festellte, dass ich allein an den Stickereien schon scheitern würde.
When I joined several plates were already taken, so I hat only a few to chose from. 
My first desicion was purely based on the looks, a desicion I quickly stepped away from  when I took a look at the details and conclued that the embroidery alone would kill me.

Es waren noch einige männliche Outfits frei, und ich hielt es für eine sehr gute Idee, ein Herren Outfit zu machen.
Wie schwer kann sowas schon sein?
Keine Stickereien, keine speziellen Muster oder teure Stoffe. Im Nähen von Jacken hatte ich Dank der Uniformen schon Übung.
Das sollte ein Klacks sein!
There were several male outfits left and I figured it would be a nice idea to take a male one. 
How difficoult could that be?
No Embroidery, no special patterns or expensive fabrics... And i was already skilled in sewing coates because of the uniforms.
Piece of cake!

Also suchte ich mir einen Stich aus und meldete mich mit dem an.
I decided on a Fashion plate and signed it up.

Ich hatte erwähnt das ich kein Französisch spreche?
Nein?
OK.
Ich spreche kein Französisch.
Did I mention that i don't speak french?
No?
Ok.
I don't speak french.

Ich hatte nicht gelesen, was über dem Kupferstich stand. Die Zeichnung war hübsch und dann kann man die auch machen....
I did not read what was written above the plate. The drawing was nice and that was enough to decide on it....

Es dauerte ein paar Tage bis ich soweit war den Text zu übersetzen. Da hatte ich die ersten Stoffe auch schon organisiert.
Und da fand ich heraus, dass ich eine "Buckskin" Lederhose nähen musste. Eine Hirschleder Hose.
Mein Gesichtsausdruck muss ein ganz spezieller gewesen sein.
It took me a few days to translate the text. By then I already had bought the first fabrics.
And then I found out that I had to sew buckskin breeches. 
I must have had a very special facial expression.

Aber ich bin ja kein Spielverderber!
Also ging es zuerst einmal daran ein passendes Leder zu finden.
Vom Schuhe basteln und von nähenden Freunden wusste ich schon, dass Leder nähen anstrengender ist, daher hielt ich es für sinnvoll die Hose nebenher zu bearbeiten.
But I'm not a spoilsport!
So the first thing was to find the propper leather. 
Building shoes and talking to leatherworking friends taught me that sewingleather was no piece of cake, so I thought it sensible to have the breechest run along the span of the year. 

Nun, Ich habe fast 8 Monate gebraucht.
Ich konnte nicht jede Woche daran arbeiten, so dass es sich länger hin zog, als ich erwartet hatte.
Und ich muss ehrlich zugeben, ich hatte Angst, dass ich sie nicht fertig bekomme.
Aber, ich habe es geschafft!
Lange Rede, kurzer Sinn; Hier die Entstehung in Bildern:
Well, it took me 8 months.
I wasn't able to work on it every week so it took me longer than I expected. 
And I have to admit I was afrait that I wouldn't manage it in time.
But, I did it!
Long story short, Have some photos!



Die Felle und das Schnittmuster
the skins and pattern


Der Vereinfachte Schnitt platziert

und der Zuschnitt
The simplified pattern and cutting it.

Und das Nähen.....
And the sewing.....

 Und das Nähen...
And sewing.....
 Und irgendwann war das Ende nah!
And finally, the end is near!



Und da war sie dann endlich!
Meine erste, eigene, selbstgenähte Lederhose!
And there it was!
My first, own, self sewn pair of leather breeches!











Sorry den konnte ich mir nicht verkneifen :D
Einfach weiter Scrollen!
Sorry, couldn't resist :D
Just scroll on :D












Donnerstag, 24. September 2015

Die Königreiche der Gepriesenen Inseln


Könnt ihr euch noch daran erinnern, wann ihre das letzte Mal so richtig gestaunt habt? Gewundert, gefreut wie ein kleines Kind?

Do you remember the last time you were astonished? Wondering, thrilled like a little kid?
Ich kann mich ziemlich genau daran erinnern, wann ich das letzte Mal mit offenem Mund dagestanden habe.
Das war am 2ten diesen Monats, als ich mit einer Freundin in Rudolstadt war. Dort, auf der Heidecksburg kann man nämlich die Ausstellung Rococo en Miniature bewundern. Und genau das taten wir.


I remember exactly when I've last stood somewhere, with my mouth open.

It was on the 2nd of this month, when I was in Rudolstadt with a friend. There at the Heidecksburg the exhibition Rococo en Miniature is to be admired. And that's what we did.


Ich muss zugeben, bis vorletztes Jahr hatte ich noch nie von den Königreichen der gepriesenen Inseln gehört. Jenem Mikrokosmos, welchen die beiden Grafiker Manfred Kiedorf und Gerhard Bätz in über 50 Jahren erschufen.
Und ich glaube damit bin ich nicht allein. Bisher sind mir nur ein paar Leute untergekommen die diese Ausstellung gesehen haben. Obwohl sie, bevor sie statisch in der Heidecksburg eingerichtet wurde, als Wanderausstellung durch Deutschland ging.


I have to admit, till last year I hadn't heard about the Kingdoms of the prasied islands. That microcosmos which was invented by the designers Manfred Kiedorf and Gerhard Bätz in over 50 years of work.

And I think I'm not alone there. By now I've only met a handful of people who've visited the exhibition. Even tho it was a traveling exhibition before it became static at the Heidecksburg.

Die Freundin, die mir davon erzählte, tat dies mit leuchtenden Augen und dem Vorsatz bzw. Versprechen, dass wir uns diese Ausstellung irgendwann einmal gemeinsam ansehen werden. Auch würzte sie ihre Erzählung mit dem unfehlbaren „Ich weiss dass es dir gefallen wird!“

Sie suchte sogar einen kleinen Film auf Youtube heraus. Und ich muss zugeben, mein Interesse war geweckt.


The friend, who told me about it did so with sparkling eyes and the intent, or better, promise that we'll one day go there and visit the exhibition. She sprinkled her tales with the unfailable "I know you're going to love it!"

She even sent me a youtube video. My curiosity was spared.


Eine kleine, eigene Welt, begonnen aus Halma Spielsteinen, die sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem ausgeklügelten System entwickelte, 2 Königreichen mit Burgen, Schlössern, und Hunderten von Bewohnern.
Jeder mit eigenem Namen und seiner eigenen Geschichte.

A small world forged first from halma stones, which over decades evolved into an elaborate system. 2 Kingdoms with castles and mansions and of course hundets of inhabitants. Everyone having their own name and background story.


Wir hatten uns einen gemütlichen Tag vorgenommen.
Da wir uns Anfang September in Weimar zu einer Reisegesellschaft verabredet hatten, lag es nahe einen Tag davor oder danach anzuhängen, um in das Weimar nahe gelegene Rudolstadt zu fahren.
Mittwochs morgens, nach einem herzhaften Frühstück machten wir uns auf den Weg Richtung Heidecksburg, wo wir am späten Vormittag eintrafen. Eintritt für das Schloss und die Ausstellung kann man separat lösen, wir kauften beide Karten und ich mir noch eine Photoerlaubnis dazu. Eine Entscheidung, die sich als mehr als sinnvoll erwies.



We had planned for a relaxing day out. 

Since we were meeting up in Weimar at the begining of september for a travel group event it was an easy desicion to add a day before or after the event to drive from Weimar to close by Rudolstadt.
Wednesday morning, after a full heartly breakfast we got on the road towards the Heidecksburg, where we arrived late morning. You can buy seperate tickets for the castle and the Rococo exhibition, we bought both and I also paid for a photopermit.
A desicion that proved to be a wise one.
Inklusive Führung schlenderten wir gut 2 Stunden durch die Anlage. Die Räume und Möbel waren interessant und der Ausflug hatte sich somit eigentlich schon gelohnt. Da es ein herrlich sonniger, warmer Tag war, beschlossen wir erst im schlosseigenen Teehaus einen Kaffee zu trinken und uns ein wenig zu erfrischen, bevor wir in die en Miniature Ausstellung gingen.
Es hatte schon so viel zu sehen und zu entdecken gegeben, dass mir diese kleine Pause willkommen war.


Including the booked tour we spent 2 hours wandering the castle and gardens, The rooms and furniture were interesting and the excursion already had been worth it.

Since it was a beautiful sunny day we decided to have a late pre-lunch tea at the garden tea room of the castle before entering the room housing the en Miniature exhibit.
We already had had so much input that I found a small break a really good idea.
Ehrlich gesagt weiß ich nich,t was uns geritten hat, aber aus irgend einem Grund beschlossen wir „mal schnell noch...“ durch die Ausstellung zu huschen und dann irgendwo einen netten Italiener zu suchen, oder ähnliches. Es war schon nach Eins und mir stand der Sinn nach einer ordentlichen Mahlzeit.... noch. 
Nichts, weder der Film, noch die Bilder hatten mich auch nur ansatzweise auf das vorbereitet, was ich in diesem, geräumigen, Gewölbe vorfand.


Actually I have no clue what got into us, but for some reason we decided to "do a quick round" of the exhibition and then go to find a nice italian restaurant or something for a spot of lunch.

It already was past 1pm and I slowly felt the urgefor a propper meal.... yet...
Nothing, not the film, nor the pictures had, even remotely, prepared me for what I found in the spacey room.

Gut ausgeleuchtet standen auf Podesten und Tischen diese atemberaubenden Modelle. Rokoko Schlösser, Burgen, Klöster alle gefüllt mit Leben und mit so vielen Details, dass sie alle wiederzugeben oder auch nur zu erfassen ein Ding der Unmöglichkeit ist.



Well lit, mounted on posts and tables stood those stunning models. Rococo castles, mansions abbeys.. all filled with life and full of details, so many that trying to recall them here is an impossible task.
Angeschnitten wie Puppenhäuser geben sie den Blick frei auf ihr Innenleben, die fein gestalteten Säle, Küchen, Hallen, Studierzimmer und sogar Dachböden und Keller.
Alles ausstaffiert mit kleinen Figuren, und natürlich mit Möbeln, Gemälden, Leuchtern.

Und auf die Puppenhäuser in den „Puppenhäusern“, die genau so detailliert waren wie die „großen“.

Cut open like doll houses they reveal their insides. the finely modelled halls, kitchens, studys and even the basements and lofts.
All garnished with little figures and, of course, furniture, chandeliers, paintings.


And reveal the dollhouses within the dollhouses.


Man bekam freundlicherweise am Eingang eine Taschenlampe, so dass man auch tief in die Modelle leuchten konnte.
Ich wusste gar nicht wohin ich zuerst schauen sollte und habe versucht so strukturiert wie möglich diese Ausstellung anzuschauen.
Was ich sah hat mich zu tiefst beeindruckt. Nicht nur wegen der Handwerkskunst und Liebe zum Detail sondern auch wegen der Umstände aus denen heraus es entstanden ist. Oder vielleicht auch wegen denen es entstanden ist?


At the entry you get a complementary flash light so you can see even the furthest parts, usually hidden in the shadows. 

I was at a loss at what to look at first and tried to get walk the exhibition off table by table. 
The things I saw deeply impressed me. Not only because of the craftssmenship and love of detail but also because of the circumstances in which they deveeloped. Or perhaps due to them.
Über 50 Jahre haben sich die beiden Erbauer ihre Welt erschaffen. Aber nicht, wie man denken könnte, in einem gemeinsamen Keller oder Dachboden, sondern teilweise hunderte Kilometer von einander entfernt. Getrennt nicht nur durch Entfernung sondern auch Zeitweise die streng bewachte Grenze der DDR. Aus dem gemeinsamen Schaffen wurde eine Art symbiotischer Brieffreundschaft.
Einige der Briefe sind auch Teil der Ausstellung, teilweise mit selbstgemalten (gestempelten) Briefmarken.

It took the two constructors over 50 years to fill this world with life, But not, as one might think in a shared basement or loft, but several hundret kilometers apart, even, for a while, separated not onyl by distance but also by the strict surveiled german/GDR border. The shared creation eveolved into a symbiotic friendship and letter corresponcende. 
Some of the letters are part of the exhibit, with their hand painted stamps (some of them even stamped by the post office)

Es fällt mir wirklich schwer auszudrücken wie tief beeindruckt ich war und noch immer bin.
Diese Liebe zum Detail und die Akribie mit der die Beiden bei der Sache blieben habe ich so bisher noch nie erlebt. Auch begeistert mich der Erfindungsreichtum. Was für Materialien wurden benutzt? Und wie wurden sie beschafft? Wie schafft man all diesen Prunk mit so wenig?
Und wie schafft man es, das die beiden Königreiche sich so ähneln obwohl sie einige Kilometer von einander entstanden sind?

It really is difficult for me, trying to express how impressed I am. 
This love of detail, the meticulousness and the keeping in the game and staying dedicated for such a long period of time. So far I haven't seen the likes. I'm also fascinated by the ingenuility. What materials have been used? How did they get them in the GDR?How do you do so much splendour with so little?
And how did they manage to have the 2 kingdoms look so similar even tho they were built kilometers apart?

Ich beneide und bewundere die Erschaffer um ihr Werk. Um die Hartnäckigkeit, Kontinuität, Kreativität. Und vor allem um ihre Liebe zum Detail, sowie die Liebe zu den Figuren und Welten, die sie erschufen.


I admire the constructors for their work, their persistance, continuity and creativity. And for their love of  detail as much as their love for their creations.
Sie verkauften die gepriesenen Inseln zu einem guten Preis an das Museum, behielten sich jedoch das Recht vor, jeder Zeit ihre Welten besuchen zu dürfen und mit ihnen zu spielen. Das zeigt mir wie viel Freude sie an ihnen hatten.


They sold the praised islands for a good price to the museum, but kept the rights to play with them. This shows how much they enjoyed them.
Diese Ausstellung zeigt nicht ein Kunstprojekt. Sie zeigt Phantasie mit all ihren Facetten.
Vom Erdenken und Skizzieren über die - fachmännisch angelegten - Architekturzeichnungen bis zum Bau der Häuser, dem Modellieren der Figuren, dem Ausstatten der Häuser mit Gemälden, Stuck, Möbeln... bis hin zum Erfinden der Namen und Lebensgeschichten jeder einzelnen Person, dem Verquicken ihrer Geschichten und dem Konstruieren der Königreiche. Geographie, Landesgeschichten, und so Vieles mehr.

The exhibition does not show an art project. It shows imagination with all it's facetes. 
From imagining and sketching out to arcitectual drawings, the building of the mansions and figurines, stocking the houses with furniture, paintings, stuck plaster, stretching as far as to the inventing of names for the figures and giving each one of them their own background story. They even mixed the stories, creating geography for their kingdoms, heritage and diplomatic relations.

Ich wünsche mir, dass jeder, der sich für Rokoko oder Modellbau interessiert, sich diese Ausstellung anschaut, einfach weil ich nicht vermag zu transportieren wie toll sie wirklich ist.

I would hope that everyone interested in scale models and / or rococo goes to visit this exhibition, just because I am not able to explain how wonderful it is.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen:

Als wir den Raum verließen hatte ich das Gefühl wir sind vielleicht eine halbe Stunde zwischen den Tischen hindurch gewandert und ich habe ca. 20-30 Photos gemacht.
Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass wir gut 2 Stunden in der Ausstellung waren, und bei der Speicherkontrolle der Kamera sah ich, dass ich 239 Bilder gemacht hatte.
Muss ich noch erwähnen, dass alle Restaurants nachmittags Ruhe hatten? 
Asia Takeout war auch völlig ok und ein amüsanter Kontrast zu all der Kultur.
Ich kann hier nicht alles zeigen, und viel wichtiger, ich will hier nicht alles zeigen.
Meine Hoffnung ist, dass ich euch genug Appetit auf diese Ausstellung mache, damit ihr hin fahrt, und wenn es nur ist, um noch einmal Kind zu sein und mit offenem Mund, staunend, sich der kleinen Wunder zu erfreuen.
Ein wenig ehrfürchtig ob der Arbeit und der Größe.


On a final note:

When we left the room I felt like he had spent about 30 minutes in there and whilst wandering between the tables I took about 20-30 photos.


Checking my watch revealed we had spent more than 2 hours in there and the memo card of my camera registered 239 new photos.

Do I have to mention that all the restaurants were closed for the afternoon?
Asia takeout totally sufficed and was a nice contrast to all that culture!
I can't show everything here, and more important, I don't want to.
My hope is that I fueled your interest enough to make you go there and look a the exhibition for yourself. Even if it's only so you can be a child again for a little while and stand there, gaping, and being astound of all the little wonders.


A bit awestuck by the work and the size.



Danke.
Thanks.