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Donnerstag, 12. Februar 2015

Malkiste / Paintbox Part one

In meinem Freundeskreis gibt es einen Satz, der sich an kalten Winterabenden zugeraunt wird.
Da er immer nur geflüstert wird, bin ich mir über den Wortlaut nicht so ganz sicher...
Es ist entweder:
"Zeig Sonja keine Bilder von Dingen, die sie auf dumme Gedanken bringen könnten."
oder:
"Zeig Sonja unbedingt Bilder von Dingen, die sie auf dumme Gedanken bringen könnten."
Es scheint eine Art Hobby zu sein, mir Dinge zu zeigen, die meinen Entdeckerdrang reizen.
There's a secret phrase used amongst my friends. Quietly whispered on cold winters eves.
Because it's always just whispered I am not entirely sure of it's phrasing.
It's either:
"Never show things to sonja that will make her do stupid things"
or:
"Show things to sonja that will make her do stupid things"

So ist es nicht verwunderlich, dass die liebe Sabine von Kleidung um 1800 mir ab und zu Spannendes unter die Nase reibt. Wir teilen ein Interesse für Holzbearbeitung und Restauration.
So there's nothing new to dear Sabine from Kleidung um 1800 frequently rubbing my nose into interesting stuff. We share an interest in Woodworking and restauration.

Eines Morgens also, noch vor dem ersten Kaffee, fand ich auf meinem Facebookprofil ein Bild dieser Miniature Painters Box.
Ich schaue schon seit längerem nach Aquarellkästen aus dem ausgehenden 18./ beginnenden 19. Jahrhundert. 
Erfolglos bisher, da diese Kästen zumeist weit außerhalb meiner Finanzierungsmöglichkeiten liegen.
Once upon a morning, even before my first coffee, I found a picture of a Miniature Painters Box on my facebook wall. 
I've been looking for water colour boxes from the late 18th / early 19th century for a whole now. So far without success due to the prices they sell for. 

So eine Kiste nun, die in Größe und Form einem Reiseschreibtisch ähnelt....
Zum Verkauf hatte ich so etwas sowieso noch nie gesehen. Konnte mir aber gut vorstellen, dass sie sehr teuer sind.
Irgendwas war diesmal anders. Vielleicht weil der Link von Sabine kam, vielleicht weil die Grundstimmung schon da war...
Mehr im Scherz meinte ich noch: "Ich bau das nach!"
Wie das so oft ist, wenn es einmal ausgesprochen ist....
Ich hab die Idee ein wenig hin und her bewegt und mit einem Auge schon geschaut wie und was ich verbauen kann.
Such a box, in form and size similar to a travel desk....
I had never seen the likes for sale. but it's a save bet they'll go for an arm and a leg.
Something was different with this link. Perhaps because Sabine had sent it. perhaps cause the mood was already set...
Jokingly I mentioned "I'll built that!"
Like it is ever so often. once you mention it.....
I pondered about it for a while. all the time checking my belongings for stuff I could use..

Ich hatte irgendwann mal eines dieser Billigmalsets geschenkt bekommen, ihr wisst schon; Tischstaffelei, kleine Leinwand, Holzkoffer voll sehr schlechter Acrylfarben... alles zusammen 10 Euro.
(An dieser Stelle noch mal schwer abgeraten von solchen Sets!!!! Außer ihr schmeißt als erstes die Farben weg!)
Inzwischen war nur noch der - leicht verdreckte - Koffer übrig. 
Die Idee gewann Substanz.
Versehen mit dem Vermerk "demnächst mal"
Demnächst war scheinbar der nächste Morgen,
an welchem ich mich wie durch ein Wunder im nächstgelegenen Baumarkt fand. Mit einer groben Übersichtsskizze und im Bereich Holzzuschnitt.
Was kann ich sagen....
Someone once gave one of those cheap painting sets as a present, years ago. You know one of those sets with a wooden case a smal easel a canvas and really cheap shitty colours... complete price of 10 euros.
(let me mention here. Do not buy those sets!!!! well only if you bin the colours!)
The only thing left from this set was, you guessed it, the case.
The idea got more substance.
"adding the mental note "some time soon..."
Some time soon seemed to be the next morning.
At which I found myself inside the local DIY shop, with a sketch... in the wood section.....
What can I say...

So eine Kiste lässt sich wunderbar rechtfertigen.... eine Darstellung als Malerin ist doch ein Plan :) Handwerker und Gesinde gibt's ja schon sehr viel :) Wandermaler nicht so.

Und so eine Kiste, bzw. deren Planung rechtfertigt einen Besuch bei meinem Lieblings-Künstlerbedarfsladen.
I have plenty of reasons for building such a box... reenacting a painter is a good plan :)
there's enough peasents and farmers about. But not that much traveling painters.
And such a box, or planing it, is a great reason for visiting my favourite art supply shop.

Erfreulicherweise haben sich im Bereich Malerei viele Materialien in der Form kaum verändert.
Aquarellsteine sehen heute noch fast genau so aus wie vor 200 Jahren. Auch die Porzellanpaletten haben sich kaum geändert.
Das macht es mir leicht aus neu dieses mal alt zu machen.
Es machte herrlichen Spaß so an zwei Fronten zu arbeiten, 
Tüfteln wie das Teil aussehen wird und es dementsprechend zusammenzumurksen und zu überlegen was alles rein kommt.
Luckily, when it comes to painting, the basic materials haven't changed that much. 
Solid watercolours more or less look the same now as they did 200 years ago,
even the pocellain paletts didn't really change.
This made it  easy to make ssomething old from something new.
And it's such fun to work on 2 seperate events c oncerning the same project. 
To ponder how the thing will look along with what might go inside it.

Besonders spannend wird es, wenn man mitten drin beschließt, "So siehts scheiße aus."
It becomes amazingly interesting when you decide, in the middle of things, tthat; "It looks crap this way."

Aber ich will euch nicht mit Texten langweilen. Sondern lieber ein paar Bilder sprechen lassen :
But I don't want to bore you with texts. But show some photos instead



 Bau eines kleinen Trägers für die Farben
(links)
Kasten in Grundform 
(rechts)
Building a small colour box for the watercolours
(left)
Basic shape of the box
(right)


Testbestückung
Testpacking




Die furnierte Kiste auf den Lack wartend.
veneered box waiting for the shellac.

Mein Kleines Kabinettstückchen:
Ein (verdrecktes) Reeves Label.
A little fun and games:
a (dirty) reeves label.



Ich hoffe nächste Woche mit dem zweiten Teil die fertige Kiste vorstellen zu können.
I hope that I'll be able to do part two next week and show the finished box.




Donnerstag, 4. September 2014

Abenteuer in Shoetown - der Tragödie dritter Teil - Form gebend

Ich muss ja ganz ehrlich sagen, dass ich mich manchmal schon ein wenig wundere.
Dieses Projekt scheint schon recht viele Beobachter zu haben, die sich hin und wieder dadurch zu erkennen geben, dass sie fragen wann sie bei mir Schuhe bestellen können.
Das ist schon ein wenig verstörend wenn man in Kontext nimmt, dass ich noch kein fertiges Paar Schuhe vor zuweisen habe, sondern eher vor mich hin dilettiere. 
(Dabei nicht verlegen, jeden Fehlversuch auch zu dokumentieren.)
Nicht falsch verstehen, natürlich fühle ich mich geehrt, dass mir ein solches Vertrauen entgegen gebracht wird, aber ein wenig irrittierend ist es dennoch.

Anyways.
Heute gehts weiter mit unserem kleinen Projekt.
Beginnen wir mit dem Ende.
LOL

Naja sagen wir lieber das Ende eines Fehlversuches. 

Dies ist die erste Basisform mit der ich gearbeitet habe. Der Leisten war recht rund an der Spitze, aber zum Ausprobieren perfekt.
Anhand dieses Leistens habe ich den ersten Schuh zusammengebaut, aus Leinwand, Moosgummi und Panzer Tape.

(Nicht lachen!)



Hierbei ging es einfach darum einen schnellen, und effizienten Weg zu finden die einzelnen Teile zu entwickeln und zu verbinden, um zu sehen ob der Schuh so funktionieren würde wie ich mir das vorstellte.





Und siehe da, es klappte!





Im Zweifelsfalle: tatsächlich tragbare Schuhe!
Selbst die Form ging schon ansatzweise in die richtige Richtung.
Bei Ebay hatten wir noch einen weiteren Leisten ersteigert, in der Grundform spitzer und dadurch näher an dem nach zu arbeitenden Original.
Als dieser ankam war der Entschluss schnell gefasst mit dieser Form weiter zu arbeiten.
Und diesmal direkt in Leder.

Aus den ersten Versuchen hatte ich eine Schablone hergestellt, die sich auf den neuen Leisten problemlos umändern ließ.
Von einem anderen Projekt hatte ich noch einen Lederrest, der genau für einen Testschuh reichte.
Also ans Werk!


Das zugeschnittene Oberleder wollte vernäht sein und die Sohle (diesmal tatsächlich aus echtem leder) wollte zugeschnitten werden....


Es ist übrigens ein echtes Erlebnis, ohne ordentliches Messer 3,5mm starkes Leder zu schneiden...




Beim Zusammenbau habe ich zugegebenermaßen wieder etwas gepfuscht, da der Schuh zu einem Ortstermin fertig sein musste (der Absatz ist auch noch falsch....)


Die Sohle und das Oberleder werden noch mit Pattex Kompakt zusammen gehalten.
*flöt*

Aber das wichtige ist, Form gefällt, Kundin zufrieden, Schuh passt!
Damit wären in diesem Bereich alle wichtigen Fragen beantwortet.
Also welche Form, Höhe, Weite, usw.
Und damit wären auch alle Vorarbeiten erledigt.
Für die endgültige Form wird es nochmal eine Testversion aus Leinen geben, um die Symmetrie zu gewährleisten. Diese Testversion wird später auch als Innenfutter herhalten.
Allerdings mache ich nun erstmal ein wenig Pause bei diesem Projekt.

Ich muss erstmal neues Leder für die Sohlen bestellen.
Denn:
dank einer Anfrage für Empire Schläppchen sind meine Ledervorräte erschöpft.

Um diese wird es im nächsten Abenteuer in Shoetown gehen!
Also die Schläppchen, nicht die Ledervorräte!

Also,
 Obacht!



Montag, 25. August 2014

Claviere suchen ein Zuhause.

Aus den Tiefen der Zeit bin ich zu euch herabgestiegen, Sterbliche!
Lebte unter euch, studierte eure Wege, eure Ziele....
Beobachtete wie ihr mit meinem Volke umgeht.
wer ich bin?
Ich bin eine vom Volk der Instrumentalisten!


Als Herrin der Tasteninstrumente kümmere ich mich um die Armen, die Verstimmten, die Verkratzten und die Angekokelten.
und ab und zu auch um die Überwässerten.


Es ist meine Pflicht einzuschreiten wo Tasteninstrumente leiden.

So auch demletzt, als mich der Ruf ereilte ein armes, kleines, gequältes Clavichord darbe im Schatten eines undichten Dachfensters.
Vergessen von der Welt, ungespielt und ungeliebt.....



Im Schatten der Nacht, verhüllt und angetan mit den Zeichen meiner Zunft, Stimmgabel und Stimmschlüssel, machte ich mich also auf den Weg das possierliche Tierchen aus den Klauen seines Peinigers zu retten.





Geschwächt nach so langer Zeit, dem Tode näher als dem Leben, benötigte der Patient meine sofortige Aufmerksamkeit!


Sachte und vorsichtig zerlegte ich es in Klaviatur und Corpus. Immer darauf bedacht nicht zu verletzten oder zu zerstören.
Liebe und Zuwendung waren gefragt.
 Zärtliches zurück ins Leben streicheln.

Die raue Oberfläche musste abgeschliffen werden um die Spuren des Wassers ein wenig zu lindern. Hauchdünn um den Klangkörper nicht zu verändern. 
Die wundervoll glatte Oberfläche, die ich sachte herausarbeitete veredelte ich liebevoll mit Schellack um sie zum spiegeln zu bringen, dass selbst Narziss seine wahre Freude  gehabt hätte. Auch hier, schwer darauf bedacht den zarten Klang nicht zu verfälschen.


Meine besondere Aufmerksamkeit verlangten die Tasten. Sie waren fast unbehandelt und durch die Luftfeuchtigkeit hatten sich die Holzfasern aufgestellt. Sie waren rau und Stumpf. 

Nichts zum angenehmen spielen.

Hingebungsvoll schliff ich und wachste mit dem feinsten Canaubawachs, so zart als würde ich sie mit dem dünnen Tuch nur streicheln wollen.
Bis sie diesen seidenmatten Glanz bekamen und sich anfühlten wie Samt...
Nach all dieser liebevollen Pflege war es mir eine Pflicht und ein Vergnügen es wieder zusammen zu setzen und zum Spiel vor zu bereiten.



Ich gebs ja zu.... 
das war ein Kundenauftrag und das gute Stück steht auch bald zum Verkauf ;)
Eines konnte ich mir jedoch nicht nehmen lassen.

 Nach einem halben Tag zerlegen, 2 Tagen schleifen, polieren und leimen und dem wieder zusammensetzten konnte und wollte ich auf ein wenig Bonus nicht verzichten.

in diesem Sinne:













Mittwoch, 20. August 2014

Abenteuer in Shoe Town, der Tragödie zweiter Teil. - Formfindend

Willkommen zurück in der wundervollen Welt der Schuhherstellung.
Wo waren wir denn stehengeblieben?
Ach ja, wir hatten ja eigentlich noch gar nicht angefangen.

Mein Fehler.

Ich werde hier jetzt nicht lang und breit über das Bücherwälzen schreiben, das Youtube Videos schauen und das nach Werkzeug wühlen.
Konsens des Ganzen ist, dass ich eine vage Idee habe wie der Spass funktioniert und wo ich hin will.
Wie genau ich da hin komme?
Wahrscheinlich mit mehr trial and error als mir lieb ist...
Ich gebe ja offen zu, ich bin eigentlich ein Mensch der schnell die Brocken in die Ecke schmeisst wenns nicht auf anhieb klappt.
Das hier wird ein langer, dunkler Lernprozess.

Die ersten Schritte waren das Zusammensammeln diverser Werkzeuge, und Hilfsmittel wie z.B. ein passender Leisten.
.




Während die ersten Sachen in die Post gingen habe ich hier schonmal experimentiert, mit einem Schuh aus Papier
Mehr als eine vage Grundform bot dies aber auch nicht. Zumindest wusste ich nun so ca. wie ich aus flach, plastisch bekomme.


Nach und nach trafen die ersten Werkzeuge und Materialien ein, die Leisten, Leder, Ahlen.... 

Doch irgendwie konnte und kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass mir in meinen Recherchen gewisse Schritte fehlen. Es gibt bestimmte Schritte, die immer nur recht vage und verwaschen erklärt werden. Secrets of the Trade, wahrscheinlich.

Also muss ich wohl doch experimentierten. *nörgel*
Als erstes mal das aufziehen des Uppers (Oberleders) auf den Leisten. 
(erstmal aus Segeltuch)



Die Herangehensweise scheine ich erfasst zu haben.




Jetzt muss ich das nur noch in ordentlich hinbekommen.

Das Upper hatte noch nicht die Form, die ich gerne hätte und schmiegt sich noch nicht so an den Leisten, wie es sein sollte.

Zudem hat dieser Leisten eine zu hohe Wölbung, sprich er ist für einen Absatzschuh gemacht mit viel höherem Absatz.

Wie Herr Malmsheimer so schön sagt: Da müssen wir nochma bei, mitte Hilti.

Aber das dann in der nächsten Folge.
Als dann, gehabt euch wohl!

Montag, 11. August 2014

Oh PARASOLe mio!

Von Null auf Sonnenschirm in unter 2 Monaten.

Es begab sich also, vor nicht all zu langer Zeit, dass sich eine Kundin an mich wandte ob ich ihr einen Sonnenschirm um 1800nochwas restaurieren könne.
In ihrem Falle ein süßes kleines Knickschirmchen, das eine gebrochene Speiche und eine sehr, sehr malade Bespannung hatte.
Ich hatte so etwas noch nie getan.
Ein Fakt der, meiner Meinung nach, der beste Grund ist etwas auszuprobieren.

Also ließ ich mir das Schirmchen und die Seide für eine neue Bespannung schicken und machte mich ans Werk.

Ich war sofort fasziniert von der simplen aber nachhaltigen Technik, mit der diese Schirme gebaut wurden. Alles so einfach aber doch wohl strukturiert und eben aus guten Materialien, so dass sie, offensichtlich, eine überlebenslange Garantie haben.

Ich machte mich an die Restauration und mit ein wenig Tüftelei und "um die Ecke denken" war der Schirm schnell repariert, neu bespannt und wieder bei der Besitzerin, welche ihn direkt im Netz zur schau stellte...

Kaum wurde publik, dass ich so etwas kann / mache, rieselten neue Aufträge in mein Postfach und innerhalb kürzester Zeit hatte ich hier 6 Schirme zum Restaurieren liegen.
Man könnte ja jetzt sagen "Kennste einen, kennste alle". Aber so war es nicht. Klar, die Basis war immer gleich, bzw. ähnlich.  Aber es gab immer wieder neue Ansätze, neue Problemlösungen für Gelenke, Scharniere, Speichen.... Mal ganz abgesehen von den detailreichen Verzierungen.

Mehr aus Scherz sagte ich irgendwann zu einer Bekannten, dass ich inzwischen so viele Schirmmodelle in Händen gehabt hätte, dass ich die Dinger nun auch locker selber bauen könnte....

Wie so etwas nun mal ist... einmal ausgesprochen wird man es nicht mehr los. Die Idee manifestierte sich in meinem Kopf. Während der verschiedenen Restaurationen hatte ich begonnen ein Bilderarchiv anzulegen, auf das ich zurück greifen konnte und mir zur Not gewisse Stellen nochmal genau ansehen konnte.

Es gab kein Halten mehr.

Hier nun also, in Retrospekt, die Entstehung eines selbstgebauten Knickschirmes, grob Richtung Biedermeier:
(wobei ich hier nochmal klar herausarbeiten möchte das zwar Wert darauf gelegt wurde eine möglichst authentische Optik zu generieren, nicht jedoch authentisch zu arbeiten oder authentische Materialien zu benutzen.)

Zutaten:
2 gedrechselte Stäbe
8 Hölzer 4x4mm
   Seide
2 Messingnägel
1 Schlagöse
1 Sturmfeuerzeug
2 LAMY Logo Kugelschreiber
1 ca 1960er Stockschirm
   Blumendraht
   Klaviersaite (mittlere Stärke alles um Kammerton A geht)
Zange, Bohrer, Lötkolben, Seitenschneider, Hammer, Dremel mit Trennscheibenaufsatz, Holzbrett, Nägel, Backofen..... Pflaster!

Da es mir oft schwer fällt solche Projekte aus Spaß an der Freude oder gar für mich selbst zu beginnen, (wozu brauche ich auch so einen Schirm?) habe ich beschlossen ihn für eine Freundin zu machen. Daher habe ich mir die Seide von ihr geben lassen und hatte sie schon länger hier gebunkert, da eigentlich geplant war auf Ebay einen echt alten Schirm zu erlegen und diesen zu restaurieren.

Auf Ebay herrschte jedoch in letzter Zeit Ebbe wenn es um schicke (günstige) Schirmchen ging.

Was ich jedoch auf Ebay gefunden habe war ein Herr, der auf Zuruf Dinge drechselt.
Immer gut!
Und das ist nun auch zugegebenermaßen das eine, wichtige, Teil das ich nicht selbst gemacht habe. Alles, was ich tat, war einen Entwurf zu machen und die Bemaßungen an den Drechsler zu schicken und der Dinge zu harren die da in meine Richtung kommen würden.
Auf dem Photo sieht man dazu noch 2 der 8 Holzstäbe die ich aus Modellbauleisten auf Länge gesägt habe.
Aber von Anfang an:

Die Idee hatte sich in meinem Kopf manifestiert und Dank der kleinen Photodatenbank hatte ich einen relativ guten Plan.
Der Auftrag an den Drechsler war abgesetzt und die Stäbe geliefert. es war also an der Zeit zu beginnen.

Ich wusste, dass man Holz unter Einwirkung von Wasserdampf biegen kann, so dass es die Form in erkaltetem Zustand behält.
Also, Schablone bauen, ein Holzbrett nehmen, die wichtigen Punkte mit Nägeln markieren, die zugesägten Holzstäbe anfeuchten und einspannen und die Konstruktion einige Minuten in den Backofen schmeißen. Bei 200°C bis alles goldbraun ist. Ab und zu mit ein wenig Wasser übergießen.
Klappt!
Ich war ehrlich erstaunt, dass diese "Notlösung" tatsächlich funktionieren würde, aber die Stäbe hielten tatsächlich die Form. (und tun dies noch immer)

Das ganze schnell lackiert und das Schlimmste liegt hinter mir.

Dachte ich.....

Das Schlimmste war das Tüfteln und Auswege finden. Viele der Teile, die man benötigt, werden schlicht und ergreifend nicht mehr hergestellt bzw. sind als Einzelteile nicht im Handel erhältlich.
Man kann sie zwar gesondert anfertigen lassen, jedoch für ein solches "Spaßprojekt" wäre das ein wenig zu kostenintensiv geworden.
Ergo, Notlösungen und Abkürzungen.

Nun gut, weiter im Text!
Nachdem wir nun alle Holzteile beisammen, und in die richtige Form gebracht hatten, hieß es nun nur das alles zu verbinden.
Begonnen habe ich damit die beiden gedrechselten Stäbe mit einem Knickgelenk zu verbinden.

So ein Knickgelenk muss man aber erst einmal haben. Ich habe tatsächlich ein paar Tage grübeln müssen bevor mir die Idee mit dem Feuerzeug kam.
Ziel des Spiels war es ja irgendwie günstig und kreativ zu arbeiten.
Also hab ich meine Wohnung durchwühlt nach passenden Gegenständen die ich umfunktionieren könnte.
Irgendwann fand ich ganz hinten in einer Schublade das alte Feuerzeug, das nie richtig Funktioniert hatte.
Also schnell auseinander gebaut, gemessen ob die Materialstärke passt, Form angezeichnet und tschakka!
Ein wenig Kanten abschleifen und Bohrungen setzen und ich konnte das Knickgelenk mit den Messingnägeln fixieren


Auf dem rechten Photo sieht man schon die nächste Problemlösung. Damit der Schirm nicht immer wieder im Gelenk einknickt, muss dieses natürlich stabilisiert werden. Das geht am besten mit einer Manschette.
Beim Berechnen der Maße hatte ich nicht daran gedacht mich ggf. an den Standardinnendurchmesser für Metallrohre zu halten, so dass die Sucherei begann nach metallischen rohrähnlichen Gegenständen, die vielleicht einen ansatzweise ähnlichen Durchmesser haben.
Gelandet bin ich bei LAMY Kugelschreibern.
2 mal bitte, einmal für die Manschette und einmal um den Kronenkranz zu fixieren.... (dazu gleich mehr)
Zum Nitnehmen, ohne Mayo.

Jetztatle... der Stab steht... so zu sagen....
Nun fehlt das Schirmige am  Stock.....
Für die Metallstreben, die die Speichen halten, hatte ich mir den einfachen Ausweg gesucht und wollte diese von einem existenten Stockschirm nehmen. Natürlich waren die zu lang. und natürlich waren die aus Edelstahl, der sich nicht mit einer Zange durchknipsen ließ....
Damit hatte sich der einfache Ausweg als tierischer Umweg herausgestellt. Allerdings war ich mir auch nicht sicher, was ich sonst als kostengünstige Alternative hätte nehmen können. Also hab ich mir den Dremel gegriffen und das ganze auf Maß gelflext und, da selbst mein Bohrer das Material nicht packte, auch die Löcher noch ausgeflext, an denen ich später die Speichen befestigen wollte.

Was auch klar war: die Krone ,an der die Streben vorher befestigt waren, war natürlich zu groß für meinen Schirm und ausserdem waren es 10 und nicht 8 Speichen ,,wäre also eh nicht hingekommen.
Ein Fakt der zu einem kleine Louis des Funes Ausbruch führte.

Die Krone musste ich komplett selber bauen, und daher fällt sie eher unter die Rubrik "nicht schön, aber selten!"
Sie besteht aus einem weiteren (zersägten) LAMY Kugelschreiber einer Schlagöse und ein wenig Blumendraht.
Alles nett verlötet.
... Bissi Rüschen drum.....
Der Blumendraht hält, wie auf dem Bild gut sichtbar, die Metallstreben. Die Öse ist an den Seiten eingekerbt (Flex sei dank!) damit sich die Streben frei senkrecht bewegen können.  Am unteren Teil ist die Manschette eingeschnitten, um die Krone auf einer Nase im Stab einrasten lassen zu können....

Es nimmt Formen an!

Ok kleiner Zwischenstannd, wo sind wir jetzt?
Wir haben:
2 verbundene Stäbe
1 Krone mit Manschette und Stäben
8 gebogene Hölzer
und in der Peripherie noch nen Sack voll Seide....

Nun gehts daran die Dinger an einander zu fummeln.
erstmal die Speichen an die Streben....

Total simpel! Fast genau so einfach wie aus einem Kilo Mett wieder ein halbes Schwein zu machen!

Nein im Ernst, das ging wirklich ganz gut. mit einem Berg Blumendraht weil die Originalversion (eine Metallmanschette) nicht zu bekommen war.
Die Speichen hatte ich nach dem Formen schon mit 3 Bohrlöchern versehen, 2 jeweils an den Enden und 1 in der Mitte.

Nach dem Sortieren der Speichen, die ich inzwischen liebevoll "der Octopus" nannte, wurde die Manschette / Krone auf den Stab gefädelt. Der obere Teil des Stabes bekam eine Bohrung und die oberen Enden der Speichen wurden auf Draht gefädelt, welcher dann an dem Stab fixiert wurde.
Quasi alles in einer fließenden Bewegung.

Nu sah es ja schon ziemlich nach Schirm aus.
Es fehlt jedoch noch die Nase, mit der man die Krone einrasten lassen kann.
Dazu habe ich am Stab die Position markiert und einen Schlitz eingefräst. Aus einem Stück Klaviersaite habe ich eine Nase gebogen die leicht federt.
Darum musste es auch ein stabilerer Draht sein als der Blumendraht, damit er die Form hält und federt anstatt zu verbiegen.

Kaum zu glauben aber der Corpus war nun eigentlich fertig.
Alles was jetzt fehlte war ein Probeteil für die Bespannung und dann die eigentliche Bespannnung aus Seide.

Problem hier ist nur, die Bespannung musste mehr oder weniger aus dem Nichts entstehen da die Speichen allein nicht auf gleichen Abständen bleiben und ich keine "Ur" Bespannung hatte auf die ich mich beziehen konnte.

Zum Glück hatte ich aber etwas anderes, auf das ich mich beziehen konnte, und zwar das Probeteil für den Schirm von dem ich die Maße abgenommen hatte.
Wenn das mal nichts ist!
Hach, ich bin so ein pfiffiges Kerlchen!
Es passte nicht ganz genau, war aber ein sehr guter Richtwert.


Aus diesem fertigen Probeteil habe ich, mehr oder weniger, rückwärts gearbeitet und einen Schnitt / eine Schablone erstellt, mit der ich dann die einzelnen Bespannungsfelder aus der Seide schneiden konnte.
Ja, mir war mulmig.




Ich gebe ja auch zu, ich bin eine Niete wenn es um Nahtzugaben geht. Ich mache immer viel zu schmale Nähte, selbst wenn ich genau weiß das ich 1-1,5cm Platz hätte.

Gerade bei so kleinen Sachen fällt das natürlich extrem auf.
Bei den Nähten hab ich diesmal aufgepasst, aber für den unteren Saum hab ich mir lieber ein wenig Spiel gelassen.
Nachdem die Bespannung gut lag und auch mit dein Speichen vernäht war konnte ich den Überstand abschneiden und säumen. Quasi alles auf Pass schneiden, meinen Freund den Rollsaum dran und alles wird gut.
Oder auch:
FERTSCH!